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Absolventenverabschiedung 2018

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 31. October 2018 - Aktuelles

10/31/18

von Marie Heuberger

Ich habe dieses Jahr meinen Bachelorabschluss an der TU München gemacht und hatte gestern meine Absolventenverabschiedung, bei der ich statt einem Zeugnis, ein 200 g Glas Honig bekommen habe. Rafael Stutz, ein Kommilitone, hat zu diesem Anlass eine Gänsehaut-erzeugende Rede gehalten, von der ich mich habe inspirieren lassen. Lest hier den ganzen Artikel!

Foto: Marie Heuberger

Die letzten acht Semester meines Lebens kurz zusammengefasst:

1. Semester: Wir sind aufgeregt, wir trinken viel, nehmen jede Party mit und sind mindestens genauso viel an der Uni wie nachts unterwegs. Wir wachsen schnell zusammen. Ich lerne, dass das Leben in einer Universitätsstadt wesentlich aufregender ist, als in meinem Heimatdorf.

2. Semester: Ich verzweifle am Entwerfen, obwohl ich mich für einen kreativen Menschen gehalten habe. Ich lerne, dass ich nicht auf Zuruf kreativ sein will.

3. Semester: Wir entscheiden uns. Und der größte Teil der Gruppe entscheidet sich anders als ich. Plötzlich sind wir nur noch halb so viele. Es gibt uns, die Planer und die anderen, die Architekten. Ich lerne, dass die Aufgaben in unserem Beruf vielfältig und manchmal auch gegensätzlich sind.

4. Semester: Der Sommer beginnt. Die Gruppe der Planer schrumpft weiter, während die Landschaftsarchitekten nach München ziehen. Meine neu gewonnen Freunde werden mir wieder fremder. Plötzlich reden sie über Dinge, bei denen ich nicht mitreden kann. Wir Planer fangen bei 35°C im Schatten Schmetterlinge. Ich lerne das Schmetterlinge eindeutig zu schnell fliegen, um mein Spezialgebiet zu werden.

5. Semester: Wir gehen ins Ausland, ich nach Norwegen an die University of Life Science in Aas. Der Campus hier ist anders, viel bunter. Überall laufen verrückt gekleidete Studenten irgendwelcher Verbindungen oder Clubs herum. Ich erfinde mich neu, werde Teil eines Chors und tanze norwegischen Swing. Ich lerne, wie anders ein Campus sein kann und frage mich, warum es das alles bei uns nicht gibt.

6. Semester: Wir kommen zurück, alles ist neu und doch vertraut. Zum ersten Mal treten wir Planer unser Projekt alleine an, jeder arbeitet nur für sich. Was ich vorher als nervig und lästig empfand, vermisse ich jetzt schrecklich. Ich lerne, dass ich ein Teamgeist bin.

7. Semester: Unser Semester zerstreut sich immer mehr, wir verlieren uns. Jeder geht seinen eigenen Weg. Ich arbeite wieder im Team, bin erleichtert. Ich lerne, dass GIS viel mehr kann als Polygone zeichnen.

8. Semester: Das letzte Semester beginnt und ich suche verzweifelt nach dem perfekten Abschlussthema. Wildgänse, Brachvögel, Golfplätze, Feldvögel oder Flussregenpfeifer? Die Möglichkeiten sind unendlich und die Entscheidung ist schwer. Es werden die Feldvögel in Oberfranken. Ich stehe um 3 Uhr nachts auf, nicht nur für meine Bachelorarbeit, auch um für ein wissenschaftliches Projekt Vögel zu beringen. Ich lerne "meine Vögel" in und auswendig und lerne, dass Morgenstunden tatsächlich Gold im Mund haben. Ob ich mich jetzt, nach diesen acht Semester, gut aufs Arbeitsleben vorbereitet fühle? Nein, definitiv nicht. Es gibt noch unendlich viel zu lernen, aber der Anfang ist gemacht.

P.S.: Nochmal vielen Dank an Raffi für die Inspiration.

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