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Das grüne Vermächtnis der Hansjakob-Brüder

Avatar of andreas.printz andreas.printz - 06. July 2018 - Personen, Archiv

von Andrea Mühlmann

„Unser Interesse galt von Anfang an den Planungen im öffentlichen Raum und Wohnungsbau und später den Stadtplanungen. Das waren die Bereiche mit der größten fachlichen und gesellschaftlichen Relevanz.“
erklärt Gottfried Hansjakob, Jahrgang 1937, beinahe sechzig Jahre nach der Gründung seines ersten Büros in München. Vier Jahre Gartenbaulehre, weitere vier Jahre Studium an der Höheren Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Wien Schönbrunn und die Mitarbeit...

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und die Mitarbeit bei dem progressiven Hamburger Landschaftsarchitekten Günther Schulze prägten diese Einstellung frühzeitig. Seit 1962 wirkte der gebürtige Salzburger schließlich zusammen mit seinem Bruder Anton Hansjakob (1943-2016) als selbstständiger Landschaftsarchitekt in der bayerischen Landeshauptstadt.

„Nach Wien und Hamburg war München damals klein und überschaubar. Die Konkurrenz schreckte uns nicht ab“ erinnert sich Gottfried Hansjakob an seinen mutigen Start in der von bekannten Kollegen - wie den Landschaftsarchitekten Prof. Alwin Seifert, Prof. Ludwig Roemer und Alfred Reich - dominierten Branche. Doch die Zeit war günstig, München erlebte damals einen großen Zuzug und eine enorme Bautätigkeit. So gewann das Team seit den Neuzehnhundertsechziger Jahren immer wieder bedeutende städtebauliche und freiraumplanerische Wettbewerbe. Was nicht zuletzt an zukunftsorientierten und qualitativ hochwertigen, aber dabei keinerlei Moden unterworfenen Gestaltungsideen lag. Der Bekanntheitsgrad des Landschaftsarchitekturbüros stieg und es folgte die Umsetzung großer Projekte wie dem Rheinauenpark in Bonn, der Sanierung des Altstadtrings in München und der Bau der Neuen Messe in München-Riem, die Anlegung der Donauinsel und des Donaukraftwerks Freudenau in Wien und der Olympia-Kanustrecke am Eiskanal in Augsburg. Auch durch zahlreiche Grünplanungen für Wohnanlagen wie der Neuen Heimat in München-Neuperlach erlangten die Landschaftsarchitekten eine bedeutende Position innerhalb ihres Berufsstandes.

„Mein Bruder Anton und ich wollten das Büro nie aufgeben um weiter die Illusion zu erhalten, dass wir noch dabei wären. Obwohl wir bei jedem Umzug viele Pläne und Unterlagen nicht mehr mitnahmen, haben wir das, was für unsere berufliche Entwicklung wichtig war und uns emotional beschäftigte, weiterhin in unserem Büro gesammelt. [...] In den letzten Jahren suchten wir eine Lösung für eine sinnvolle Archivierung dieser Unterlagen“ schreibt Gottfried Hansjakob in der Danksagung für das Findbuch seines Vorlass-Archivs. Es ist inzwischen das Jahr 2018, mehr als dreizehn Monate lang hatte ich (die Verfasserin) den Auftrag, den gesamten Vorlass Hansjakob am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und öffentlichen Raum zu erfassen, katalogisieren und digitalisieren. 94 Akten mit Schriftstücken, Fotos, Presseartikeln und 29 Planrollen mit handgezeichneten Plänen und Skizzen sind nun seit Anfang Juni im Depot des Architekturmuseums der Technischen Universität München eingelagert und für jeden wissenschaftlich Interessierten zugänglich.

Beinahe zeitgleich zu den beginnenden Arbeiten an der Archivierung des Vorlasses im Frühjahr 2017 entstand die Idee einer Ausstellung über das Oeuvre von Gottfried und Anton Hansjakob seitens des Architekturmuseums Schwaben (Teil des Architekturmuseums der TUM). Diese sollte nicht nur die Projekte der Hansjakobs in Augsburg zeigen, sondern auch die wichtigsten Umsetzungen in anderen Städten wie München, Bonn, Köln, Wien und Bregenz. Doch wie stellt man Stadtlandschaft und ihre besondere Atmosphäre überhaupt aus? In gemeinsamer Arbeit mit Dr. Barbara Wolf vom Architekturmuseum Schwaben und Gottfried Hansjakob entschieden wir uns ausschließlich für Projekte mit ausreichend und gut erhaltenem Planmaterial – die Grundlage der späteren baulichen Realisierung. Meist waren auch Fotos aus der Bauzeit bzw. aus der Zeit nach der Fertigstellung vorhanden. Nicht immer genügten diese jedoch den Ansprüchen einer Ausstellung: qualitativ hochwertig für große Drucke und bestenfalls Bilder der Gesamtanlage um sich als Besucher verorten zu können, sowie Detailbilder auf Augenhöhe eines Spaziergängers. Vorteilhaft war die Entstehungszeit der meisten Pläne – bevor es digitale CAD-Programme gab. So erübrigte sich eine mühsame Auswahl aus einem ganzen Ordner an Planvarianten. Die wenigen, oft meterlangen aufwändig von Hand gezeichneten und kolorierten Entwurfs- bzw. Schaupläne beeindruckten sofort. Die Verwertung hingegen gestaltete sich komplizierter. Erst nachdem diese professionell und unter größter Vorsicht gescannt waren, konnten man sie für die Ausstellung verwenden. Gleiches galt für die vielen analogen Fotos und Dias, die teilweise erst nach der Digitalisierung richtig beurteilt werden konnten. Bei manchen Projekten musste dann doch noch nachgeholfen werden: Drohnenflüge wurden beauftragt und aktuelle Luftaufnahmen angefertigt - die letzten Endes auch dem Archiv wieder zugutekamen.

„Die gleichzeitige Bearbeitung meiner Unterlagen hat für das Archiv und die Ausstellung wesentliche Vorteile erbracht. Für die Ausstellung konnten viele Bilder, Texte und Pläne aus der Fülle der Unterlagen ergänzt werden, die ohne die gründliche Aufarbeitung durch die Archivierung nicht zum Vorschein gekommen wären. Der Vorteil für das Archiv war, dass eine Reihe von Plänen und neuen Aufnahmen […] digitalisiert in das Archiv übernommen werden konnten“ beschreibt Gottfried Hansjakob im Katalog der zur Ausstellungseröffnung im April 2018 erschienen ist. Dort finden sich neben allen sorgfältig ausgewählten Fotos und Plänen auch umfangreiche Projektbeschreibungen von sechs verschiedenen Autoren.

Durch Texte, Bilder, Pläne und etwas Fantasie könnt ihr euch noch bis zum 19. August 2018 von Donnerstag bis Sonntag (14 - 18 Uhr) in das grüne Vermächtnis der Hansjakob-Brüder mit ihren nach wie vor hochaktuellen Themen einfühlen. Das Architekturmuseum Schwaben mit der Ausstellung „Landschaft für die Stadt. Das Büro Gottfried Hansjakob und Anton Hansjakob Landschaftsarchitekten“ findet ihr in einer schönen Altbauvilla in der Thelottstraße 11, 86150 Augsburg. Darüber hinaus ist der 232 Seiten umfassende gleichnamige Ausstellungskatalog im Museum, beim Mercator Verlag oder direkt bei uns am LAO-Lehrstuhl für 26 Euro erhältlich.

Weitere Infos findet ihr unter:
http://www.lao.ar.tum.de/ausstellungen/landschaft-fuer-die-stadt-buero-hansjakob/
http://www.lao.ar.tum.de/archive/gottfried-hansjakob-und-anton-hansjakob/
http://schwaben.architekturmuseum.de/ausstellungen/landschaft-fuer-die-stadt/
https://www.youtube.com/watch?v=SnD4fz0pWvQ
(Video zum Schwabinger See mit G. Hansjakob)

Fotos (mit Copyright):
> Ausstellungseröffnung im Architekturmuseum Schwaben am 18. April 2018, © Andrea Mühlmann
> Gottfried und Anton Hansjakob mit ihrem Entwurfsplan für die IGA 1983 in München,
   © Klaus Fischhold
> Gottfried Hansjakob vor dem See der Universität Augsburg, © Silvio Wyszengrad
> Ausstellungsflyer des Architekturmuseum Schwaben (oben)

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