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Inwertsetzung von Natur und Landschaft

Avatar of andreas.printz andreas.printz - 26. June 2018 - Studienalltag, Lehre

von Sandro Meyer

Vom 11.-13. Juni 2018 unternahmen wir –14 Studierende des Masterstudiengangs Umweltplanung und  Ingenieurökologie mit der Vertiefung Landschaftsmanagement (Kernbereich 13) – eine Exkursion  in den Schwarzwald. Sie war Teil des Seminars „Inwertsetzung von Natur und Landschaft“, vom Lehrstuhl für „Strategie und Management der Landschaftsentwicklung“ (mit Werner Rolf).  Ziel dieses Seminars ist es, verschiedene Prozesse, Strategien und Instrumente zur Inwertsetzung von Natur und Landschaft kennenzulernen und sich mit den Fragen auseinanderzusetzen „Welchen Wert haben Natur und Landschaft?“ sowie „Wie kann man diese Werte erfassen, darstellen, kommunizieren und fördern?“.
Ziel der Exkursion war es in verschiedenen Großschutzgebieten – Naturpark, Nationalpark, Biosphärengebiet – Umsetzungsstrategien zur Inwertsetzung kennenlernen und mit Praktikern zu diskutieren.

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Am 11.06.2018 ging es um 08:00 Uhr morgens los und wir fuhren mit zwei Kleinbussen Richtung Schwarzwald. Das Motto des ersten Tages war „Schützen durch Nützen – Inwertsetzung im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord“. Gegen Mittag erreichte die Gruppe das „Tor zum Schwarzwald“, die Geroldsauer Mühle. Sie besteht u.a. aus einem Gäste- und Seminarhaus, Wirtshaus, einer eigenen Bäckerei sowie Metzgerei sowie einer Dauerausstellung ‚Natur & Kultur zum Begreifen‘. Dort lernen wir vom Inhaber die Bedeutung der Landschaft für den Tourismus und das Gastgewerbe kennen. Weiterhin erläutertet er das Geschäftsmodell der erst neueröffneten Geroldsauer Mühle – u.a. zur regionalen Vermarktung im Bauermarkt und Wirtshaus. Am Nachmittag besuchten wir die Geschäftsstelle des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord in Bühlertal. Hier erläuterte uns ein Mitarbeiter der Geschäftsstelle die Ziele und Aufgaben eines Naturparks sowie verschiedene aktuelle Projekte und wir erhielten einen Einblick in das Naturparkmanagement. Es wurde deutlich, dass Naturparke das Ziel einer dauerhaft umweltgerechten Landnutzung zur Pflege und Entwicklung der Kulturlandschaft anstreben, die besonders dazu geeignet ist, eine nachhaltige Regionalentwicklung zu fördern. Die landschaftsbezogene Erholungsnutzung und nachhaltiger Tourismus spielen hierbei eine besondere Rolle. 

Am Abend fuhren wir zum Übernachtungsqartiert, dem Naturschutzhof „Landschaftspflege mit Biss“, wo wir unser „Heuhotel“ in der Scheune bezogen. Es handelt sich hierbei um ein landwirtschaftliches Unternehmen, dass mit alten Haustierrassen artenreiche Lebensräumen und Naturschutzgebiete bewirtschaftet. Für sein Engagement wurde der Hof bereits mit dem ,Förderpreis Naturschutzhöfe‘ vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Stiftung Ökologie & Landbau (SÖL) ausgezeichnet. Nach einer Hofführung und Vorstellung der Unternehmensphilosophie durch unseren Gastgeber gab es ein Abendessen mit hofeigenen Produkten. Den Abend ließen wir dann am Lagerfeuer ausklingen wobei wir dabei den Tag dabei Revue passieren ließen.
Motto des zweiten Tages war „Natur Natur sein lassen – Inwertsetzung von Wildnis im Nationalpark Schwarzwald“. Unser erster Anlaufpunkt war die Nationalpark Geschäftsstelle in Seebach. Dort präsentierten wir Mitarbeitern der Schutzgebietsverwaltung und weiteren Gasthörern erste Zwischenergebnisse unserer verschiedenen Referatsthemen zu den Themen: „Wie lassen sich der Wert von Natur und Landschaft erfassen, kommunizieren und fördern?“. In einer anschließenden gemeinsamen Diskussion hatten wir die Möglichkeit unsere bisherigen Rechercheergebnisse mit der Praxis zu spiegeln. Am Nachmittag unternahmen wir gemeinsam mit einer Nationalpark-Rangerin eine Wanderung durch den Nationalpark und diskutierten dabei Aspekte des Besuchermanagements. Zudem vertieften wir Herausforderungen, die mit der Entwicklung eines Nationalparks in Mitteleuropa einhergehen, wie z.B. der Prozessschutz innerhalb des Nationalparks und ein Borkenkäfermanagement im Einklang gebracht werden können, zum Schutz angrenzender Wirtschaftswälder. Hierbei wurde deutlich, dass Kommunikation, Diskurs, und Wissensvermittlung im Kontext „Wert von Natur- und Landschaft“ wichtige Bausteine sind, die einen Beitrag leisten können, um den Prozessschutzgedanken eines Nationalparks zu unterstützen.
Am Abend fuhren wir wieder zu unserem Übernachtungsquartier und wurden mit gegrillten hofeigenen Produkten von Lamm und Ziege verköstigt. Im Abendgespräch hatten wir mit unserem Gastgeber die Möglichkeit über die Rückkehrer in unserer Kulturlandschaft Bär, Luchs und Wolf zu diskutieren, über damit verbundene Herausforderungen für Tierhalter und mögliche Lösungsansätze.  
Unser letzter Exkursionstag stand unter dem Motto „Naturressourcen nachhaltig nutzen – Regionalentwicklung im Biosphärengebiet Schwarzwald“. Als erstes besuchten wir die Rindererzeugergemeinschaft Gersbach/Wiesental. Dort bekamen wir einen Einblick in die Bedeutung von Nebenerwerbslandwirtschaft für die Offenhaltung der dortigen Landschaft. Am Nachmitttag trafen wir uns mit Herrn Bürgermeister Schönbett, von der Gemeinde Kleines Wiesental. Er erläuterte uns den Entstehungsprozess des jungen Biosphärengebiets und damit verbundene Entwicklungsperspektiven für die Gemeinden. Es wurde besonders deutlich, dass innovative Ansätze für eine zukunftsfähige Entwicklung der Gemeinden und ihrer Landschaft erforderlich sind.  
Mit diesen vielen spannenden Eindrücken fuhren wir am Abend zurück nach Freising zurück, um die gewonnen Erkenntnissen bis zu Semesterende in unsere Referate einfließen zu lassen.

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