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URBEEN – Ein Garten für eine Königin

Avatar of andreas.printz andreas.printz - 23. May 2018 - Studienalltag, Lehre

von Anne-Claude Zuang, Franziska Jung, Johann-Christian Hannemann

Foto: Martin Smeets

Besonders in der Großstadt gibt es zunehmend weniger Nahrungsquellen für Insekten. Es bedarf an Handlung – schließlich gilt, dass das Überleben der Bienen Voraussetzung für unsere eigene Existenz ist. Den Lebensraum für Bienen zu gewährleisten ist nicht nur Aufgabe der Naturschützer, sondern der Allgemeinheit.
Studierenden der Landschaftsarchitektur haben sich am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und öffentlichen Raum mit der Thematik auseinandergesetzt, wie man Strukturen für den öffentlichen Raum so entwerfen kann, dass sie gleichermaßen für Insekten und insbesondere Bienen, als auch für die Menschen funktional und ästhetisch ansprechend sein können.

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Im Laufe des Wintersemesters 2017/18 hatten die Studierenden Konzepte und Entwürfe für einen neuen Ministeriumsvorgarten am Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) und dessen Verknüpfung mit dem angrenzenden Finanzgarten erarbeitet. Im Rahmen eines internen Wettbewerbs wurde mit VertreterInnen des Ministeriums eine Idee zur weiteren Ausarbeitung ausgewählt. Mit einem vorgegebenen Budget im Hinterkopf, sollten nun in der Gesamtgruppe arbeitsteilig der finale Entwurfsplan sowie Konstruktionsdetails entwickelt werden: der genaue Aufbau von Modulen für Pflanzkästen, Honigbienenboxen, Insektenhotels wurden definiert, anhand von Modellen wurden Materialien und Konstruktionsmethoden getestet und dokumentiert, eine Kostenkalkulation wurde erstellt und Angebote von Fremddienstleistern eingeholt. Da das Konzept langgezogene, im Farbspektrum einheitlich gestaltete Feldstrukturen mit überdimensioniertem Wildbienen- und Insektenhotel zitiert, war auch der Name des Projektes schnell gefunden: „URBEEN – Ein Garten für eine Königin“.

Wie man sieht, ist das Studium der Landschaftsarchitektur und -planung weitaus mehr als nur Vorlesungsbesuche und eigenständige Recherchen. Im Rahmen des Lehrveranstaltungsformats studio1zu1 kamen am Anfang des Sommersemesters eine Horde interessierter Studenten zusammen, um den Entwurf URBEEN Wirklichkeit werden zu lassen. Genauer gesagt geht es darum, Studierenden die Möglichkeit zu geben, einen Entwurf vollständig zu realisieren und den Baustellenalltag miterleben zu können. Als am Ende des Tages feststand, wer es alles in die Baucrew geschafft hat, ging es dann auch schon los: bevor die Baustelle eingenommen werden konnte, mussten Werkzeuglisten und Wochenpläne erstellt, die PR angekurbelt, jede Menge Holz geschnitten und natürlich alles dokumentiert werden.

Nach den Vorbereitungen war es dann soweit: Während eines einwöchigen Bauworkshops errichteten Ende April circa 20 Studierende und Betreuer die temporäre Installation URBEEN vor dem Ministerium im Herzen Münchens – in prominenter Lage neben Schumann’s Bar und Hofgarten in der Ludwigstraße. Mit bunten Sicherheitswesten weckte das studio1zu1-Team die Aufmerksamkeit der Passanten. Vor allem zur Mittagszeit beobachteten viele Interessierte, wie Flächen ausgemessen, Grasnarben abgetragen, Holz gesägt, Kästen verschraubt, Insektenhotels betoniert und Nistlöcher in Astholz gebohrt wurde. Der Baustellenfortschritt ging schnell voran: draußen bei schönstem Wetter im Team zu arbeiten, war eine willkommene Abwechslung zum Vorlesungs- und Projektalltag der Universität. Die Zusammenarbeit und der Erfahrungsaustausch mit Studierenden aller Semester – vom Bachelor bis Master – war ein voller Erfolg. Am Ende der ersten Woche Bauworkshop waren alle Pflanz- und Honigbienenkästen, sowie die Wildbienenhotels aufgebaut. Circa 30 Kubikmeter Erde wurden im Anschluss durch einen externen Landschaftsbaubetrieb verfüllt. Anfang Mai wurde noch einmal Einsatz verlangt: der Pflanzworkshop stand an – Topinambur-Knollen mussten gesetzt, Phacelia-, Kornblumen- und Ritterspornsamen gesät und am Ende vor hungrigen Kaninchen geschützt werden. Das Ergebnis kann man nun in München vor dem Staatsministerium beobachten.

Krönender Abschluss der Baustelle war der Besuch der Bayerischen Staatsministerin Michaela Kaniber, die sich das Projekt erläutern ließ und gleich bei der Aussaat mitanpackte. In ihrer Ansprache zeigte sie sich begeistert von dem fertiggestellten Vorgarten und der Arbeit des Bauteams. Das gemeinsame Angießen wurde von einem Kamerateam von Sat1 Bayern festgehalten.
Jetzt warten alle ungeduldig darauf, dass die Samen erfolgreich keimen und bald bunte Blumenfelder vor dem Ministerium leuchten. Im Rahmen eines Hoffestes am 16. Juni 2018 wird die Installation offiziell eröffnet und der Einzug der Wild- und Honigbienen in die Stadt gefeiert. Es lohnt sich vorbeizukommen!

Weitere Infos und Fotos findet ihr auf dem Instagram-Blog “landschaft.plus“, auf der gleichnamigen Facebookseite sowie unter lao.ar.tum.de. Das Sat1-Video ist unter folgendem Link erreichbar: https://www.sat1.de/regional/bayern/videos/bienenparadies-vor-dem-landwirtschaftsministerium-clip

Bilder: Martin Smeets und Johann-Christian Hannemann

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