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Von der Stadt aufs Land

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 14. May 2018 - Aktuelles, Studienalltag, Lehre, Forschung

von Julian Schaefer

Dass Landschaftsarchitekten die Planung städtischer Freiräume übernehmen, steht außer Frage. Vielleicht sind sie auch die besseren Stadtplaner. Die Aufgabenverteilung ist unter den Disziplinen aber klar geregelt: es gibt zunächst eine umfassende Gesamtplanung, die soziale und ökologische Ziele verfolgt, ökonomische Zwänge berücksichtigt und schließlich alle Belange in einem Konzept mit einer ästhetisch begründeten Gestalt zusammenführt. Diese Gestalt ist ausschlaggebend, um überhaupt das Projekt beginnen zu können, und diese Gestalt muss sich in den städtischen Kontext einfügen. Oft sind dann noch weitere Ingenieure mit an Bord, die Verkehrsplaner, Statiker, HLS, ... die im besten Fall alle versuchen, ihre Anforderungen in das Konzept zu integrieren.

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Größere Maschinen = breitere Wege = weniger Wege. LAREG Exkursion in die mainfränkischen Gäuplatten (Foto: Sören Schöbel)

Wie läuft das auf dem Land, wenn LANDschaftsarchitekten involviert sind? Da gibt es ein Staatsministerium, das die Flur ordnen darf und dabei auch Wege und Gewässer anlegt. Der Verkehrsplaner, von öffentlicher Hand beauftragt, zeichnet verkehrs- und sicherheitstechnisch optimierte Straßen zur Umgehung von Dörfern. Architekten und Landschaftsarchitekten finden ihren Einsatz in der Wiederbelebung von Ortskernen und Dorfplätzen, verbunden mit Sanierung von angrenzenden Gebäuden oder dem Aufbau neuer Bürgerzentren. Sobald aber etwas am Dorfrand oder in der Landschaft neu gebaut wird, dann ist das kein Projekt, das das Land "weiter baut", wie ein Projekt in der Stadt die Stadt weiterbaut. Sondern dann ist das ein "Eingriff". Landschaftsarchitekten versuchen im Sinne der Eingriffs-Ausgleichs-Regelung die Beeinträchtigungen auf die Landschaft zu vermeiden oder zumindest zu minimieren. Kann hier keine Planung entstehen, die ästhetische Fragen in den Mittelpunkt rückt?

Im derzeit laufenden Entwurfsprojekt altLAND neuLAND schieben wir diese Funktionstrennung einmal zur Seite und betrachten den ländlichen Raum ganzheitlich. Methodisch bedienen wir uns wieder bei der Stadt. Mit den Prinzipien der Internationalen Bauausstellung 1987 in Berlin wird in zwei Gebieten das Land umgebaut. Wie sich die behutsame Stadterneuerung dem Prenzlauer Berg und seinen Altbauquartieren annäherte, sanieren wir die noch vorhandenen kulturlandschaftlichen Strukturen des Frankenwaldes. Und wie im Tiergartenviertel mit der Maßgabe der Kritischen Rekonstruktion neu gebaut wurde, fügen wir Bauwerke in die ausgeräumte Kulturlandschaft der mainfränkischen Gäuplatten ein.

Am Montag, 14. Mai, kann man um 13:00 Uhr im O5 die Ergebnisse der qualitativen Landschaftsstrukturanalyse ansehen. Am 18. Juni werden die Zwischenstände der Arbeiten präsentiert und am 12. Juli werden die Entwürfe im Rathaus von Kürnach vorgestellt.

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