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IngolStadtNatur

Avatar of andreas.printz andreas.printz - 14. March 2018 - Aktuelles, Forschung, Lehre

von Mona Holy

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Animal Aided Design (AAD) ist eine innovative Gestaltungsmethode zur Integration tierökologischer Inhalte in den Planungsprozess. Dies wurde nun von StudentInnen der TUM und der Universität Kassel live am lebenden Objekt, nämlich dem Stadtpark Ingolstadt ausprobiert. Die studentischen Arbeiten haben so begeistert, dass sie nun ausgestellt wurden. Mehr darüber im Interview von Mona Holy (TUM, Lehrtsuhl für Terrestrische Ökologie (TÖK) mit Robert Bischer (Universität Kassel).

Lest hier mehr.   

Animal-Aided Design ist eine Methode, um Tiere integrativ in die Gestaltung von Freiräumen mit einzuplanen. Das Ziel ist, die Bedürfnisse von wilden Tieren in die Stadt- und Freiraumplanung einfließen zu lassen. AAD versucht somit, bisherige Planungsprozesse zu erweitern, damit nicht nur der Mensch, sondern auch Pflanzen und Tiere von der menschlichen Gestaltung profitieren. Dies dient jedoch nicht nur den Pflanzen und Tieren, sondern auch dem Menschen selbst. Durch die besser geplanten und gestalteten Freiräume steigt deren Qualität und auch Menschen können sich dort wohler fühlen.
Animal-Aided Design (AAD) ist ein gemeinschaftliches Forschungsprojekt der Fachgebiets Freiraumplanung der Universität Kassel und des Lehrstuhls für terrestrische Ökologie der TUM. Projektleiter sind Thomas E. Hauck (Universität Kassel) und Prof. Dr. Wolfgang W. Weisser (TUM).
Im Rahmen unseres Teil-Projektes “IngolStadtNatur - Animal-Aided Design für den Stadtpark Donau in Ingolstadt” haben Studenten der TUM und der Universität Kassel Entwürfe zur Freiraumplanung an der Donau im Stadtkern beigesteuert, die nun dort ausgestellt werden.
Zu diesem Anlass hat Mona Holy ihren Kollegen Robert Bischer, der maßgeblich an der Planung und Umsetzung des Studentenprojektes und der Ausstellung beteiligt war, ein paar Fragen gestellt. Robert ist Landschaftsplaner und Lehrbeauftragter an der Universität Kassel.

Die Ausstellung findet im Architekturforum, Donaustrasse 10, statt und läuft noch bis inkl. So, 18..03.18.
Öffnungszeiten: Fr. 16.03. 18-20 Uhr, Sa 17.03. und So 18.03. 14-18 Uhr
 
 
Hallo Robert!
 
Hallo!
 
Du warst vor Ort und hast die Ausstellung maßgeblich mit vorbereitet. Was wollte die Ausstellung zeigen, und wie kam es zu der Idee dazu?

Wir haben im Sommersemester 2017 an der TUM und an der Universität Kassel ein studentisches Projekt durchgeführt, bei dem es darum ging, dass die Studierenden die Methode Animal Aided Design auf den Bereich der Donau, beidseitig, in der Ingolstädter Stadtmitte, anwenden. Eigentlich haben die Studenten genau das Projektgebiet bearbeitet, das wir auch mit dem Forschungsprojekt bearbeiten und konnten dort Zielarten auswählen, Artenportraits machen und letztendlich Entwürfe verfassen. Mit Freiraum-planerischen Vorschlägen. Und diese Entwürfe werden jetzt in Ingolstadt ausgestellt. Am 2.3.18 war die Eröffnung.
 
Wolltet Ihr mit der Ausstellung auch Aufmerksam auf ein bestimmtes Thema lenken?
 
Letztendlich war sie schon fokussiert: Auf die Wünsche der Stadt und auf die besonderen Orte, die wir dort vorgefunden haben. Es gab eine Exkursion, bei der die Studierenden sich das Gebiet angeschaut haben. Sie haben sich zum Beispiel einen Bereich angeschaut, der sehr wertvolle Auwald-Reste, mitten im Stadtgebiet, enthält. Manche haben auch das gesamte Gebiet besichtigt und an punktuellen Maßnahmen gearbeitet. Und es war ja so, dass auch Herr Schneider und Herr Dr. Ebner vom Umweltamt/Umweltreferat der Stadt da waren und Wünsche geäussert haben, beziehungsweise uns ein paar Sachen mit auf den Weg gegeben haben. So könnten zum Beispiel auch schon kleinere Maßnahmen ein Projekt anstossen. Im Endeffekt war jedem aber freigestellt, in welches Gebiet er sich vertiefen will. Die meisten haben sich ein Vertiefungsgebiet gewählt und einen (Freiraum-planerischen) Entwurf dafür verfasst.

Wie darf ein Aussenstehender sich so eine Zusammenarbeit eines studentischen Projektes mit der Stadt vorstellen?
 
Ich sage mal so, es ist eine punktuelle Zusammenarbeit, die an wenigen Terminen stattfindet. Z.B. bei der Exkursion. Da gibt es die Möglichkeit, Fragen zu stellen und über Ideen zu diskutieren. Und es gab tatsächlich Studierende, die sich auch später nochmal an die Stadt gewandt haben. Das hat unkompliziert funktioniert, was auch damit zusammenhängt, dass Herr Schneider dem Thema sehr aufgeschlossenen gegenüber steht und durchaus den Studierenden noch mit bestimmten Informationen ausgeholfen hat. Wenn es auch keine Zusammenarbeit im herkömmlichen Sinne war, bei der man sich regelmässig trifft und Diskussionen hat, hat es gut funktioniert.  Und es waren schon v.a. die Ideen der Studierenden, die sie dann nach bestem Gewissen und mit den Informationen, die sie bekommen haben, umgesetzt haben.

Das passt gut zu meiner nächsten Frage, die die Vorbereitung betrifft. Was darf man sich als Zeitraum und Aufwand vorstellen?
 
Im Endeffekt ist das die Arbeit von einem Semester, in Gruppen von 3 bis 5 Leuten. Auf dem Papier sind es vier Monate lang zwei Tage Arbeit pro Woche,- es sind in der Regel mehr. (lacht) Vielleicht sind es drei volle Arbeitstage. Und gegen Ende, wenn der Entwurf visualisiert wird, fällt in der Regel nochmal sehr viel Arbeit an,- so dass es sicher bei dem ein oder anderen ein paar Nachtschichten gab.
 
Kennt der ein oder andere Student sicher.
 
Aber gelohnt hat sich’s!
 
Und was hat besonderen Spass bei der Vorbereitung der Ausstellung gemacht?
 
Ich würde sogar noch ein Stück zurückgreifen. Mir hat es sehr viel Spass gemacht, als Lehrbeauftragter an dem Projekt mit beteiligt zu sein, und beispielsweise die Exkursion mitzumachen. Das war eine sehr gute Erfahrung für uns Forschende. Wir hatten Zeit, uns einige Sachen genauer anzuschauen und haben sehr viele Eindrücke durch die Studierenden bekommen, auch im späteren Verlauf des Projektes. Genauso, die Präsentationen der Studenten mitzuerleben und zu sehen, was wirklich möglich ist, wenn man 26 kreative Köpfe auf so ein Gebiet loslässt, die alle völlig eigene Ideen haben.
Und an der Vorbereitung: Es war sehr anstrengend, aber es hat sich eben auch sehr gelohnt. (lacht) Wir haben natürlich von Kassel und München aus mit vorbereitet. Anet Scherling, unsere studentische Mitarbeiterin in Kassel, hat uns dabei sehr geholfen. Spass gemacht an der Ausstellung hat am Ende, dass so eine Arbeit von Studierenden nicht irgendwo im Archiv verschwindet, sondern tatsächlich nochmal an die Öffentlichkeit kommt. Ich habe selbst diverse Mal im Studium erlebt, dass man eine Projektarbeit macht, und dann sagt der Prof:  “Das kann man ja dann nochmal im Rathaus ausstellen!”, - und es wird nie was draus. Jetzt ist mal was draus geworden, das ist sehr schön. Es war dadurch natürlich ein straffer Zeitplan, da es auch noch die Broschüre gab, auf die Du mich bestimmt später noch ansprichst.
 
Wenn wir also gerade dabei sind, was Dir am meisten Spass gemacht hat: Was ist das Besondere an dem Projekt?
 
Das ist ganz klar auf der einen Seite die Methode Animal Aided Design an sich. Diese wird gerade erst praktisch erprobt. In München wird ein Wohnungsbauprojekt umgesetzt, in Ingolstadt ein Artenleitbild. Die Studenten haben wirklich Wert darauf gelegt, dass die Entwürfe realisierbar, also nicht zu kostenintensiv, und trotzdem interessant bleiben. Was nicht immer so ist in studentischen Projekten. Das ist etwas Besonderes.
 
Was ist Euer Ziel der Ausstellung Ingolstadt? Und was hat die Broschüre nun damit zu tun?
 
Ich denke, das Ziel dieses Projektes ist es, in Ingolstadt das Gespräch darüber, wie man den Donau-Raum aufwerten kann, weiter zu fördern und zuzulassen. Einerseits natürlich für die Menschen, die dort leben oder die Stadt besuchen, anderseits natürlich auch für die Tiere und für den Naturschutz.
Die Ausstellung hat eine Art Event-Charakter, auch um den Menschen zu zeigen: es gibt Leute, die denken über das Thema nach, stehen dahinter und wollen etwas machen. Bei der Eröffnung gab es verschiedene Reden von Herr Dr. Ebner, Umweltreferent, der die Eröffnungsrede gehalten hat, den Projektleitern mir und Frau Prof. Dr. Gschlössl vom Ministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz, das das Forschungsprojekt finanziert.
Die Broschüre hingegen ist etwas, das bleibt. Die Ausstellung wird ja Ende der Woche schon wieder abgebaut. In der Broschüre sind alle Entwürfe festgehalten und jeder, der Interesse hat, kann versuchen, eine zu bekommen. Die werden auf der Ausstellung verteilt und damit soll das Thema weiter hochgehalten werden.
 
Die Broschüre dient als eine Art Kommunikations-Tool?
 
Vielleicht mehr als ein Tool zur Kommunikations-Anregung. Da sind Ideen dabei, die offensichtlich, das hat sich bei der Ausstellung schon gezeigt, auf reges Interesse stossen.
 
 
Ich würde gerne noch etwas näher auf die Broschüren und die Vorbereitung eingehen. Was waren die grössten Hindernisse auf dem Weg zur Ausstellung?
 
Das Schöne ist, dass es Hindernisse in dem Sinne eigentlich kaum gab. Es hat einem niemand Steine in den Weg gelegt und gesagt, nee, das können wir so nicht machen, oder, das wollen wir nicht. Es waren eigentlich alle Beteiligten daran interessiert, dass das was wird. Das ist sehr positiv, deshalb ist es auch etwas geworden. Wir haben natürlich relativ früh angefangen, Texte zu schreiben, besonders die Einführungstexte zur Broschüre, wo wir AAD, das Projekt Ingolstadt, die ökologische Situation und die Städte-bauliche Situation beschreiben und analysieren und eine Einführung in das Semester-Projekt geben.
 
Wer hat alles an den Texten gearbeitet?
 
An den Texten gearbeitet haben Jan Piecha, Anet Scherling, Maximilian Mühlbauer (alle Mitglieder des Forschungs-Teams) und ich. Später haben wir natürlich die Projektleiter, Prof. Dr. Wolfgang W. Weisser und Dr.-Ing. Thomas E. Hauck, eingeschaltet, die drüber gelesen, korrigiert und umgeschrieben haben und damit eine kostbare Aufwertung der Texte geliefert haben. Ausserdem haben wir Astrid Rischel um ein Kurz-Kapitel zum Zentrum für Stadtnatur und Klimaanpassung, das Schirmherr des AAD-Projektes ist, gebeten.
Später sind wir in den Teil eingestiegen, die studentischen Arbeiten zu beschreiben. Da haben wir die Texte verwendet, die die Studenten schon verfasst hatten und haben diese nochmal einheitlich neu gegliedert, umgeschrieben und zusammengefasst. Der Projekt-Reader hatte über 300 Seiten, das wäre viel zu viel gewesen! Wir haben jetzt eine Broschüre mit etwa 90 Seiten.
 
Ein Buch!
 
An sich schon stattlich. Es fasst die Entwürfe und das Wissen, was die Studierenden angehäuft haben, zusammen. Ein richtig grosser Brocken waren noch die Artenportraits. Die haben wir alle kontrolliert und neu gelayoutet. Wir mussten leider 6 von 15 Artenportraits rausschmeissen, weil wir dafür noch nicht genug wissenschaftliche Nachweise hatten und nicht die Zeit, das alles noch zu recherchieren. Aber wir haben immer noch 9 Artenportraits in der Broschüre drin, die auf einem sehr guten Stand sind. Letztendlich war das die letzte Aufgabe. Um nochmal den Bogen zu Deiner Frage zu spannen: Wir haben natürlich einen Zeitplan gemacht und uns, wie das immer bei Zeitplänen so ist, nicht daran gehalten. (lacht) Aber genug Puffer gehabt, so dass wir alles rechtzeitig fertig bekommen haben.
 
Wie kann sich das jemand Aussenstehender vorstellen? Wie viel Puffer plant Ihr bei so einem umfangreichen Projekt?
 
Für die Broschüre hatte ich eine Woche Puffer eingeplant. Den haben wir gebraucht, ich würde es wieder ähnlich machen. Vielleicht einen Tick mehr Puffer.
 
Würdest Du an der gesamten Umsetzung des Studenten-Projektes irgendetwas anders machen, wenn Du es nochmal durchführen würdest? Ist es so wiederholbar?
 
Auf jeden Fall wäre es so wiederholbar. Was wir besser machen könnten, wären die Web-Konferenzen zwischen Freisingern und Kasseler Studierenden. Da könnte man mit besserer Technik auf beiden Seiten mehr rausholen. Letztendlich hat es aber ausreichend funktioniert, ein bißchen Improvisierten gehört manchmal halt auch dazu. (lacht) Der Projekt-Reader hat auch ein bißchen Probleme gemacht. Von 26 Leuten Sachen zusammenzutragen war offensichtlich schwieriger als gedacht für diejenigen, die sich darum gekümmert haben. Nächstes Mal würde ich mir eventuell überlegen, das mit einzelnen Projekt-Präsentationen zu lösen. Letztendlich sind das aber Kleinigkeiten. Es hat erstaunlich gut funktioniert dafür, dass es ein Universitäts- und Städte-übergreifendes Projekt war.
 
 
Auch wir als Projektteam arbeiten von mehreren Städten aus und sind ein interdisziplinäres Team.  Wo siehst Du darin die Herausforderung, worin die Bereicherungen?
 
Eine Herausforderung ist es immer, mit vielen verschiedenen Beteiligten etwas zu schaffen in so einem grossen Kontext. Man muss Kompromisse bilden, man muss diskutieren und die jeweils andere Meinung auch respektieren. Aber es ist auch, so klischeehaft das jetzt klingen mag, eine Chance. Wir arbeiten in einem Team mit mit Biologen, Ökologen, Landschaftsplanern und Landschaftsarchitekten gemeinsam auf verschiedene Ziele hin. Das hat man als Landschaftsplaner relativ selten im normalen Berufsalltag. Da hat man auch mit Umweltorganisationen und Umweltauflagen usw. zu tun, aber in der Regel hat man ein Gutachten und muss sich dann an bestimmte Forderungen halten. Man hat aber weniger direkten Austausch und gemeinsames Arbeiten an einem Ziel mit der Fraktion Naturschutz/Umweltschutz.
 
  Zum Schluss: Wie geht es weiter in Ingolstadt?
 
Erstens geht es mit unserem Projekt noch weiter. Wir werden noch ein Arten-Leitbild erstellen und eine Barriere-Analyse präsentieren, mit Abschluss unseres Forschungs-Vorhabens. Es sind ausserdem in Ingolstadt weitere Projekte im Gespräch, das hat sich bei der Ausstellungs-Eröffnung abgezeichnet. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es ein mögliches AAD-Folgeprojekt gibt. Das ist aber immer eine Sache der Finanzierung und der Umsetzbarkeit. Erstens müssen Forschungs-Gelder da sein, zweitens Gebäude, die auch tatsächlich gebaut werden sollen, da es jetzt wirklich darum geht, AAD in der Praxis zu testen und in die Praxis umzusetzen.
 
Danke für das Interview!
 
Gerne, danke Dir!

Das Interview führte Mona Holy.

Die Anwendung der Methode Animal Aided Design wird finanziert durch das Bayerische Ministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz und das Zentrum für Stadtnatur und Klimaanpassung. Die Stadt Ingolstadt hat den Druck der Broschüren und der Plakate für die Ausstellung finanziert. Vielen herzlichen Dank dafür!

Projektleiter Dr. Ing. Thomas E. Hauck (2.v.l.) und Prof. Dr. Wolfgang W. Weisser (3.v.l.) auf der Ausstellung.
Zum Runterladen der Broschüre klicken

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