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post smog LANDSCAPE - LAREG Studenten in China

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 02. February 2018 - Aktuelles, Lehre

von Julian Schäfer

Im September war LAREG mit einer Gruppe von 15 Studenten, Doktoranden, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Professor Schöbel für zwei Wochen in der chinesischen Provinz Jiangsu unterwegs.

Warum befassen sich deutsche Studenten mit chinesischen Landschaften?

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Im Vordergrund ein ländlicher Restraum, die Hochhäuser der Ausläufer Shanghais am Horizont (Foto: Vroni Hartl)

Der Urbanisierungsprozess geht in den Provinzen an Chinas wirtschaftlich starker Ostküste mit gravierenden Veränderungen für die Landschaft einher - insbesondere im Einzugsgebiet der neuen Großstädte. Für Stadterweiterungen wird der ländliche Raum großflächig mit suburbanen Strukturen überformt. Das städtebauliche "Grid", das Straßenraster der Neubauplanungen, lässt in seiner bisherigen Anwendung keine Anpassungen an bestehende Landschafts- und Siedlungsstrukturen zu. Welchen Beitrag im kulturellen wie gesellschaftlichen Wandel Chinas kann Landschaftsarchitektur überhaupt leisten? Haben wir als Profession im internationalen Diskurs die Chance, neue aber auch kulturell spezifische Landschaftstypologien zu entwickeln - Konzepte, Bilder, Ideen, die die Zukunft Chinas positiv antizipieren?

Die generelle Faszination für die großen Veränderungen Chinas in Worte zu packen klingt wie eine Aneinanderreihung von Plattitüden. China öffnet sich, seine Wirtschaftskraft ist seit Anfang der 80er Jahre rasant gestiegen, immer mehr Menschen wollen vom Land in die Stadt. Bei uns kennt kein Mensch die Städte, die dabei wachsen. Diese gesamte, teils globale Entwicklung, verschlingt Unmengen Energie.

In der Projektplattform "post smog LANDSCAPE" untersuchen wir seit April 2017, welche Landschaften in diesem Wandel entstehen. Der im ersten Analyseprojekt betrachtete Raum umfasste beides in derselben Provinz: eine Landschaft, in der der Siedlungsdruck um Shanghai die bestehende Kulturlandschaft überformt (das Yangtze Delta) und eine Landschaft, in der man den hohen Energiebedarf dafür decken möchte (Xuzhou). Dabei wagt man den Umstieg von der mit Smog verbundenen Steinkohle hin zu erneuerbaren Energien.

Nach einem ausgiebigen Analyseprojekt (Bachelor) befanden wir uns schon im Spätsommer auf Exkursion. Nach wenigen Tagen Eingewöhnung begaben wir uns an Orte, die zwar zur großen Urbanisierungswelle gehören, uns zuvor aber namentlich nicht bekannt waren. Jene eingangs erwähnten Millionenstädte wie Nantong und Yangzhou am Yangtze, die auch in den nächsten Jahren rigoros weiterwachsen wollen. Hier waren wir immer wieder Situationen ausgesetzt, von denen wir vorher nur gehört oder gelesen hatten: Dörfer, die innerhalb kürzester Zeit umgesiedelt werden sollen, Dörfer, die gerade abgerissen wurden und Dörfer, die nur noch in "alten" Luftbildern vorhanden sind. Am Horizont die Hochhäuser der Stadt, oft sogenannte "New Towns", Satellitenstädte.

Derartige Eindrücke sortierten und reflektierten wir an vielen gemeinsamen Diskussionsabenden, aber vor allem auch im wissenschaftlichen Austausch vor Ort, mit den Professoren der Unis in Nantong, Nanjing, Xuzhou und in Shanghai. Da der vonstattengehende Urbanisierungsprozess in der Theorie bereits vor Exkursionsantritt besprochen wurde, versuchten wir schnell einzuordnen, wie wir uns in den fachlich-wissenschaftlichen Diskurs einbringen müssten. Durch die Exkursion entstanden sechs Bachelorarbeiten (http://www.lareg.ar.tum.de/index.php?id=453), die Vorschläge machen, wie man den aktuellen Landschaftswandel in eine nachhaltigere Form überführen kann. Hierfür konnten sowohl Parallelen zu Fragestellungen im Spannungsfeld von ländlichen und suburbanen Räumen in Europa hergestellt, als auch Inspiration in den während der Exkursion besuchten Best Practice Beispielen gefunden werden.

Mit der Exkursion und den damit verbundenen Entwurfsprojekten wurde ein Grundstein für die Zusammenarbeit mit den chinesischen Universitäten gelegt. Noch dieses Jahr werden wir in Freising im Juli einen mehrtägigen Workshop gemeinsam mit der Zhejiang Universität aus Hangzhou (unter Leitung von Professor Schöbels ehemaliger Doktorandin Yuting Xie) veranstalten und später im Jahr den Besuch der CUMT aus Xuzhou empfangen. Für eine Auseinandersetzung mit globalen Herausforderungen wollen wir durch die Kooperation auf beiden Seiten Wissen aufbauen.

Weitere Eindrücke von der Exkursion werden wir in einer Foto-Ausstellung am Schülertag, 08. Februar veröffentlichen. Die Ergebnisse des aktuellen Master-Projekts werden ebenfalls in diesem Rahmen ausgestellt. Am 5. Februar sind alle Interessierten auch zur Abschlusspräsentation um 10:30 im O5 eingeladen. Und wer lieber noch weiterlesen möchte: in der neuen nodium Ausgabe erwartet euch noch ein detaillierterer Exkursionsbericht.

Chinesische Kunststudenten malen pittoreske Landschaften in Hongcun, Anhui (Foto: Vroni Hartl)
Totalabriss statt behutsamer Erneuerung: Dörfer in Yangzhou werden abgerissen, um Platz für Stadterweiterungen zu machen. (Foto: Julian Schäfer)

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