LandschaftPlus - der Blog

ELASA Jahrestreffen 2017: Alpitecture - Zwischen glücklichen Kühen und Sträuchern in Entchenform

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 20. September 2017 - International, Studienalltag

von Svenja Schmitz

Das diesjährige Treffen der Elasa (European Landscape Architecture Student Association) hat es sich zum Ziel gemacht, internationalen Studenten die europäischen Alpenlandschaften und ihre Städte aus dem grünen Blickwinkel zu zeigen.  Als Teil dieser bunten Gruppe merkt man schnell, dass es kaum etwas Schöneres gibt, als mit Gleichgesinnten, die Gegend zu erkunden und über Landschaftsarchitektur zu plaudern.  Ein recht großer Teil der Gruppe bestand aus Deutschen, von denen jedoch ein paar die niederländische Studentenfraktion vertraten. Einen weiteren großen Anteil machten die sechs Leute aus Estland aus, während der Rest von überall her kam: Finnland, Türkei, Bulgarien… Mit Jin hatten wir sogar eine Chinesin an Bord! Auf unserer Grand Tour haben wir 4 Länder durchquert, sofern man Liechtenstein als eines bezeichnen kann. Wir haben die Ähnlichkeiten und Unterschiede in der Landschaft sowie gestalteter Stadtlandschaft diskutiert. Statt sie nur auf Bildern zu betrachten, haben wir selbst an diesen Orten verweilt. Dabei mussten wir uns um nichts kümmern, da die Organisatoren einen hervorragenden Job gemacht haben. Sie brachten uns zu den schönsten Orten und versorgten uns dort mit reichlich Essen, Unterhaltung und vor allem mit Bier, sogar im Bus. Wohl auch einer der Gründe warum es einfach immer etwas zu lachen gab.

Lies hier den vollständigen Artikel!

München

Gestartet hat die Reise mit einem Kennenlernen im beschaulichen Freising. Am grünen Campus wurden wir auf durch Vorträge über das Thema Alpen auf die Tour eingestimmt und konnten kaum erwarten, dass es losgeht. Der „kleine Leute“-Workshop forderte uns auf spaßige Weise auf, die urbanen Räume Münchens genauestens unter die Lupe zu nehmen. Wir sollten ein Setting für unsere kleinen Modellmenschen finden und so tricksen, dass es aussah wie im Maßstab 1:1. Dazu erfanden wir dann noch eine fesselnde Geschichte. Mit Leidenschaft wetteiferten wir um die originellste Figur. … Warum die Erzählungen eine eher depressive Grundstimmung vermitteln, ist uns bis heute ein Rätsel, da wir verdammt gut gelaunt waren. Die Nacht verbrachten wir im „The Tent“, einem coolen Ort für Backpacker, wo man in Hängematten abhängen und Gitarrenmusik lauschen kann.   

Am nächsten Morgen starteten wir mit einem Weißwurstfrühstück, das von allen interessiert und weltoffen angenommen wurde. Über unser Studium plaudernd, wanderten wir an den künstlichen und wilderen Abschnitten der Isar entlang. Um die dortige Landschaft besser zu verstehen, ließen wir uns im Freilichtmuseum darüber berieseln, wie die Menschen früher mit den Almwiesen umgingen und mit der Natur arbeiteten, statt gegen sie. Auf eigene Faust erkundeten wir dann das Pfrühlmoos und verärgerten dort einen Schäfer, weil sein bestes Schaf im Stall Teil unserer Gruppe werden wollte. Zwischendurch verbrachten wir eine erlebnisreiche Nacht auf einem Biohof. Nach der Abkühlung im See, stellten sich die besten Grillmeister der Herausforderung etwa 30 hungrige Bäuche mit nur einem Grill zu stillen. Highlight war das Lagerfeuer mit Gitarre und Stockbrot unter eindrucksvollem Sternenhimmel.

Vom Quoten-LPler Markus immer gut mit Infos versorgt! (Foto: Julian Kerremans)
ELASA ist immer offen für neue Teilnehmer... (Foto: Svenja Schmitz)
Foto: Svenja Schmitz
 

Garmisch-Partenkirchen

Dann ging es auch schon ins verschlafene Garmisch mit seinen hübschen Häusern vor der Bergkulisse, die wir am nächsten Morgen erklimmen würden. Die erste Herausforderung war es, unsere Gepäcklast so gering wie möglich zu halten und trotzdem so viel Essen wie möglich einzupacken. Auf dem Weg zum Schachen gönnten wir uns noch eine spritzige Abkühlung durch die ungebändigten Wassermassen des Partnachklamm. Schon in den ersten Minuten des Aufstiegs wurde dann den meisten von uns bewusst, dass man als Landschaftsarchitekt dringend einen sportlichen Ausgleich zum Herumsitzen vor dem Computer schaffen sollte. Wirklich. Es war richtig anstrengend! Aber liebevoll wurden die Lasten der Kleineren getragen, aufeinander gewartet und Essen geteilt. Oben angekommen gönnten wir uns die verdienten, wohltuend fettigen Spätzle und ekligen Schnaps aus fremdartigen Pflanzen: Das trinke man hier oben wohl so, das sei gesund, runter damit. Gemeinsam betrachteten wir den Sonnenuntergang, oder verpassten ihn, weil wir auf der falschen Seite eine Felswand anstarrten. Aufgrund mangelnder Duschmöglichkeiten wurde hier oben entschieden, ob man sich untereinander wirklich gut riechen konnte. Der nächtliche Gewittersturm erhöhte zwar den Gemütlichkeitsfaktor im Dachstuhl der Hütte, erschwerte jedoch den Abstieg am nächsten Morgen. Man schlitterte eher nach unten und kletterte über nasse Felsen, aber durch gutes team work kam jeder heile unten an.

Foto: Svenja Schmitz

Zürich

Kaum runter vom Berg, ging es auch schon zur nächsten Station. Das Programm stramm, denn es gibt so viele schöne Orte zu sehen. Am Zürichsee haben wir durch Zufall einen Platz mit großem Erholungswert gefunden und ihn direkt mal im Zuge eines Picknicks getestet. Im Lichterkettenmeer auf dem Plateau unter einer Hängebirke sitzend, starrten wir aufs Wasser des Sees und genossen unser Feierabendbier.

In Zürich lag der Fokus nun ganz auf der Landschaftsarchitektur. Große bekannte Büros luden uns ein, ihre Räumlichkeiten zu erkunden und nutzten die Gelegenheit, all die potenziellen Praktikanten mit Kaffee und Croissants anzufüttern, während sie stolz ihre größten Projekte vorstellten. Gleich darauf machten wir uns auf, einige davon mit eigenen Augen zu sehen und ihr Nutzungspotenzial auf die Probe zu stellen. So machten wir ein Picknick im Oerliker Park und kletterten auch im MFO-Park herum. 

Man sieht nicht nur, dass die Schweitzer Geld haben, sondern auch, dass ihnen die Landschaftsarchitektur am Herzen liegt. Zumindest in Zürich ist man auf dem Vormarsch der nachhaltigen Investitionen in das Wohlergehen der Menschen. Man findet landschaftsarchitektonische Werke, qualitative Aufenthaltsräume an jeder Ecke. Und ich bin mir sicher, dass es einer der Gründe ist, warum die Leute einen hier so glücklich anstrahlen.

l. und r.: Auszeit am Zürichsee (Foto: Svenja Schmitz)
l. und r.: Oerliker Park (Foto: Svenja Schmitz)
l. und r.: MFO-Park (Foto: Svenja Schmitz)

Am Bodensee

Weiter ging es entlang der unzähligen Apfelplantagen in Richtung Bodensee. Dort besuchten wir einen Sitz des Studio Dreiseitl. Außerdem durften wir das Gelände der zukünftigen Landesgartenschau 2020 betreten und wurden in die jahrelange, aufwändige Planung eingeweiht. Dann fuhren wir mit der Fähre über den gewaltigen See hin zur Mainau-Insel, die sich für uns Pflanzenmenschen als ein riesiger Spielplatz herausstellte. Begeistert erkundeten wir die inspirierenden Pflanzungen und Attraktionen der Insel. Nur die Sträucher in frischem Badeentchen-Schnitt grausten unser Landschaftsarchitektenauge. Abends wurde neben all dem Spaß auch die traditionelle ELASA-Sitzung nicht vernachlässigt, um über den weiteren Verlauf dieser wunderbaren Art der Zusammenarbeit zu beraten, die so eine schöne gemeinsame Zeit des Austauschs und der Inspiration ermöglicht.

Die blauen Weiten des Bodensees (Foto: Svenja Schmitz)

Im Allgäu

Auf der Rückfahrt nach München haben wir dann noch der wohl idyllischsten Region des Alpenvorlandes einen Besuch abgestattet, dem Allgäu. Neben dem stereotypischen Anblick von glücklichen Kühen und grünen Hügeln, gab es tatsächlich noch andere Dinge zu sehen. Den Rottachspeicher haben wir aus trockener Entfernung betrachtet, statt wie geplant hinein zu hüpfen. Es war jetzt doch ein wenig kühl so im Nieselregen. In Nesselwang haben wir den in Kritik stehenden Red Bull Fun Park besucht. Leider müssen wir gestehen, dass wir diesen durch eine Fahrt auf der Sommerrodelbahn unterstützt haben und dabei Spaß hatten.

Foto: Julian Kerremans

Back in Munich

Zurück im „The Tent“ wurde der gelungene Trip mit Gegrille und einer Farewell Party im Backstage Club gefeiert. Am nächsten Tag hatten dann nochmal alle die Gelegenheit Münchens mit all seinen Parks auf eigene Faust zu erkunden und sich abends ein letztes Mal von den Organisatoren-Mädels bekochen zu lassen und Musik zu machen. Am nächsten Morgen bildete dann ein gemeinsamer Brunch am Ufer der Isar den Abschluss dieser ereignisreichen Reise. Da wo sie auch angefangen hat.

Ende (Foto: Svenja Schmitz)

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

0 Kommentare