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Landschaft+Gespräch 5

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 05. September 2017 - Personen

mit Stephan Pauleit

Sie haben fast das gleiche studiert wie wir...wie haben Sie damals die Studienwahl getroffen? Wussten Sie gleich, dass das ist Ihr „Ding“?

 

Damals hieß das noch Landespflege. Ich habe 1981 hier angefangen und bin 1987 mit der Diplomarbeit fertig geworden. Ich weiß nicht mehr genau, was ich mir damals alles vorher  überlegt habe. Aber ich habe gegen Ende der Schulzeit ein besonderes Interesse an Umweltfragen entwickelt. Das war in der Zeit, in der die grüne Bewegung besonders stark geworden ist, naheliegend. Beim BUND oder ähnlichen Umweltorganisationen war ich aber nie engagiert. Letztendlich bin ich dann nach Weihenstephan zum Schülertag gefahren und hab mich dann hier beworben, das hat dann auch geklappt.

 

 

Also gab es damals kein Bewerbungsgespräch, ...

 

 

Lies hier das ganze Interview!

 

 

 

... wie das heute üblich ist? Meines Erachtens hat das Bewerbungsgespräch aber große Vorteile gegenüber eines nicht so viel aussagenden Notendurchschnitts.

 

Ja das finde ich auch, auch wenn es sicherlich für beide Seiten aufwändiger ist. Man kommt dann in ein persönliches Gespräch, in dem wir den Bachelor-Bewerbern auch die Besonderheiten und die Vorteile unseres Studiengang darlegen können. 

 

 

Worauf achten Sie dann bei den Bewerbern genau?

 

Es ist wichtig zu sehen, dass sich ein Bewerber damit beschäftigt hat, was ihn / sie in dem Studium und im Berufsfeld überhaupt erwartet. Man muss also in dem Gespräch erst einmal feststellen, ob das überhaupt zu dem Bewerber passt, was wir hier bieten. Da ist es eben nicht ausreichend, wenn man nur „ganz begeistert“ von der Umwelt oder Natur ist. Wir erwarten auch, dass man mal in den heißen Phasen der Projekte bis Mitternacht daran sitzt und es durchzieht. Da ist jemand, der um halb vier nachmittags seinen Bleistift abgibt, hier einfach nicht richtig. Und dann sehen wir uns eben an, was der Bewerber mit seiner Mappe mitgebracht hat und dazu erzählt. Das müssen nicht immer super Zeichnungen sein, sondern können zum Beispiel auch Projektarbeiten zum Naturschutz aus der Schule sein. Wir möchten damit auch sehen, ob sich jemand klar strukturiert ausdrücken kann.

 

 

Von meinen Kommilitonen höre ich oft, Sie seien, wenn man das jetzt zu Wahlzeiten so sagen kann, „volksnah“. Sie sagen mir zum Beispiel: „Herr Pauleit kommt immer persönlich zu Projektbetreuungen und spricht mich mit Du an…Darf ich das dann auch?“. Wie sehen Sie sich?

 

Ich gehe eigentlich immer recht schnell auf so ein „Du“. Das gilt auch beidseitig. Wahrscheinlich kommt das davon, weil ich 10 Jahre in England und Dänemark gearbeitet habe, wo das „Du“ die normale Form der Ansprache ist. Ich möchte auch gerne Hierarchien flach zu halten, weil es um die Sache geht,, und nicht um Stellungen. 

 

 

Du beschäftigst dich ja vor allem mit Landschaftsplanung in der Stadt. Lebst Du selbst in der Stadt?

 

Ja ich lebe in Freising, also in der Stadt und innerhalb eines riesigen Verdichtungsraums, München. Aufgewachsen bin ich aber auf dem Land, am Chiemsee. Auf der Schule war ich in einer Kleinstadt, in Traunstein. Erst mit dem Studium bin ich nach München gezogen und habe dann erst das Stadtleben entdeckt. Dadurch, dass meine Eltern aber immer noch dort auf dem Land leben, habe ich immer aus der Stadt „flüchten“ können und das sehr genossen. Mein Lebensmittelpunkt ist aber in der Stadt.

 

 

Wie sieht die Stadt Deiner Träume aus?

 

Vielleicht fehlt mir da die Fantasie, aber ich bin kein Visionär, der sich eine Stadt in der Zukunft völlig anders vorstellt, als sie heute aussieht. Natürlich ist mir ein gutes Angebot an Grünflächen und Natur wichtig. Ich brauche eine Stadt, in der ich nie das Gefühl habe, in der Bebauung eingesperrt zu sein. In München habe ich sehr isarnah gewohnt und konnte mit dem Fahrrad schnell in Richtung Süden oder Norden raus. Andererseits schätze ich am Stadtleben auch das kulturelle Angebot. 

 

 

Wie sollten sich unsere Städte entwickeln, dass sie in Zukunft lebenswert bleiben?

 

Mein Thema ist die Stadtökologie und aus dieser Sicht die Freiraum- und Stadtentwicklung. Ich habe schon andere Städte im Ausland gesehen, die ganz ganz anders sind, als unsere, wo die Lebensumstände bedrückend sein können, zum Beispiel in Afrika. Uns muss klar sein, dass wir auf einer kleinen Insel der Glückseligkeit und des Wohlstandes leben, vor allem in ökonomisch prosperierenden Städten wie München. Wir müssen aber die Weise, wie wir leben ändern, wenn wir unseren Planeten nicht ruinieren wollen. Wir müssen einen Lebensstil finden, der langfristig nachhaltig und das Klima schützt und damit auch den anderen Menschen auf dieser Welt ein anständiges Leben ermöglicht. Es muss uns klar sein, dass unsere Gesellschaft auf Kosten dieser Menschen lebt. Wir müssen daher Wege finden, wie wir von unserem hohen Ressourcenverbrauch drastisch herunterkommen und verhindern, dass die Erde in eine Katastrophe hineinschlittert. Gleichzeitig bin ich der Meinung, dass München optisch und physisch vielleicht gar nicht so wahnsinnig anders aussehen muss, als es das heute tut und bestimmt nicht wie es das Titelblatt von „Geo: Die grüne Revolution - wie die Natur unsere Städte erobert“ zeigt. So etwas mag gut sein, um vielleicht zu provozieren und die Diskussion anzustacheln. Andererseits werden unsere Städte in 50-100 Jahren ganz anders funktionieren. Grün und smart. Vielleicht ist das ja ein besseres Leben, in dem wir uns frei von heutigen Konsumzwängen gemacht haben, die eigentlich gar nicht so wirklich etwas mit unseren Bedürfnis zu tun haben.

 

 

Nun spielen wir ein Spiel. Versuche mit jeweils nur einem Wort zu antworten!

 

Stadt oder Dorf? - Stadt.

Auto oder Rad? - Rad.

Sommer oder Winter? - Sommer.

Bier oder Wein? - Wein.

Pizza oder Schweinsbraten? - Sowohl als auch.

Berge oder Strand? – Berge – okay, und auch das Meer, Bayern und Dänemark eben.

Frühaufsteher oder Langschläfer? - gemäßigter Frühaufsteher.

Katze oder Hund? - Katze.

 

 

Gibt es zuletzt noch etwas was Du an unserer Studierenden loswerden möchtest?

 

Engagiert Euch. Seid nicht nur Konsumenten und Kunden an der Uni. Seid nicht nur ECTS Sammler. Seid selbstbewusst und richtige, kritische Partner. Wir machen Euch Angebote, aber Ihr seid diejenigen, die den Dingen selbständig auf den Grund gehen müsst. Ich würde mir wünschen, dass sich eine noch stärkere Atmosphäre gemeinsamen Arbeitens entwickelt, als sie es schon in den Projekten gibt. Das ist was ich Euch sagen möchte!

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1 Kommentare

Thomas Heinemann

14. September 2017

Das weite Berufsfeld der Landschaftsplanung

...die Sparte 'Professor im Bereich Landschaftsplanung' ist in der Reihe der Berufsfeldeinführungsvorträge im ersten Semester Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung noch unbesetzt. Vielleicht komm ich noch auf Dich zu, Stephan! :-)