LandschaftPlus - der Blog

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4 Kommentare

Udo Weilacher

19. November 2017

Leider steht Ihr Beitrag im LandschaftPlus - der Blog zu den "leisen Landschaftsplanern"(ich stimme Ihnen zu) noch immer unter Pseudonym und nicht unter einem Klarnamen, obwohl Marco Giardino Sie vor einem Monat sehr freundlich darum gebeten hat, sich offen zu Ihrer Meinung zu bekennen.

Ich bedauere das außerordentlich, denn es wirft ein sehr schlechtes Licht auf unsere Studienfakultät für Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung an der TU München, wenn sich engagierte, kritisch denkende Kolleginnen und Kollegen, Studentinnen und Studenten nur noch unter dem Deckmantel eines Pseudonyms wagen können, Ihre freie Meinung zu äußern. Wir versuchen in unseren Studiengängen, die Studierenden zu kritisch denkenden, offen und fundiert argumentierenden Fachexpertinnen und -experten auszubilden. Gerade in öffentlichen Planungs- und Partizipationsverfahren kommt es im Interesse der Transparenz und der Vertrauensbildung sehr darauf an, offen seine fachliche Meinung zu vertreten und man muss dann auch bereit sein, den kritischen Diskurs zu führen - das nennt man „Streitkultur“, und davon lebt eine Demokratie. Unsere Studierenden lernen das im landschaftsarchitektonischen Entwurf von Anfang an: Kritik ist etwas Positives und ein wichtiges Instrument der Wissensgenerierung denn ohne Kritik, kommt kein wissenschaftlicher Fortschritt zustande. Um aber einen echten Erkenntnisgewinn erzielen zu können, müssen die unterschiedlichen Standpunkte offen vertreten werden und nicht ängstlich aus einem getarnten Versteck heraus.

In diesem Sinne möchte ich Sie herzlich bitten, Ihren Blog-Eintrag zu „enttarnen“ - nicht nur als Zeichen für Ihr ernsthaftes Interesse an einem offenen Diskurs, sondern auch als deutliches Zeichen dafür, dass sich in unserer Studienfakultät niemand für seine freie, kritische Meinungsäußerung verstecken muss.


Marco Giardino

21. October 2017

Wer ist Holly Hunter?

Vielen Dank noch einmal für Deinen Artikel, in dem beide Vertiefungsrichtungen unseres Studiengangs kritisiert werden. Inzwischen hat der Artikel "hohe Wellen geschlagen" (und das ist gut so, Deine Kritik wurde gehört). Heute hat mich Prof. Weilacher darauf angesprochen, ob ich wisse, wer Holly Hunter ist. Herr Weilacher findet Deine kritische Haltung gut, Benachteiligung oder "Ärger" in jeglicher Hinsicht hast Du nicht zu fürchten. Trotzdem würde er gerne eine offene Diskussion haben, in der jeder zu seiner Meinung steht. Hilf uns doch, im Hause ingesamt mehr miteinander (auch kritisch) in Diskussion und ins Gespräch zu kommen. Denn genau das ist einer der Ziele unseres Blogs. Vielleicht findet ihr auch neue Wege des Zusammenarbeitens, jenseits der längst hinfälligen LA/LP-Grenzen.


Blog-Admin

05. October 2017

Fachliche Artikel von Landschaftsplanern sind übrigens auch hier gerne gesehen. Wir bieten Euch damit auch ein Mittel der "Präsentation" Eurer Arbeit und ein direktes Kommunikations- und Diskussionsforum. Vielleicht kannst Du mehr Leute aus deinem Semester dazu bewegen, über ihre Arbeit zu berichten ;).


Lars Hopstock

28. September 2017

Liebe Holly,

prinzipiell sind Diskussionen dieser Art Teil eines lebendigen akademischen Lebens und deshalb zu begrüßen. Die Veröffentlichung Deiner Kritik im Blog könnte darauf hinweisen, dass hier eine Stimmung widerspiegelt wird, keine Einzelmeinung. Da ich weder an der Vorbereitung und Durchführung der Ruhrtour, noch an dem "Landschaftsprobe"-Projekt beteiligt war, habe ich beschlossen, etwas zum Verständnis des Ganzen beizutragen. Im Folgenden äußere ich (im Sinne eines Blog-Kommentars) meine spontane und ganz persönliche Sicht.

Eines vorweg: Die "Landschaftsprobe" ist eine studentische Aktion im Rahmen einer Exkursion gewesen, bei der es vor Allem um Raum-Erfahrung vor Ort ging. Die sinnlich-körperliche Dimension dieser Erfahrung kann nur begrenzt visuell wiedergegeben werden. Sie steht als unsichtbarer Aspekt hinter den Bildern, hilft wenn mitgedacht aber, das Ganze zu verstehen.

Die "Landschaftsprobe" lese ich als eine Art Zitat auf zwei Ebenen, einmal inhaltlich und einmal formal.

Inhaltlich zitiert jede "Probe" eine "Landschaft". Dabei wird der Begriff "Probe" natürlich konzeptuell eingesetzt, denn es handelt es sich ja offensichtlich nicht um eine systematische Entnahme von durch eine wissenschaftliche Fragestellung definierte Art von Proben. Dies soll -- so deute ich das Ganze -- Gedanken anregen über die Natur unserer Lebensumwelt. Du hattest ja schon interessante Assoziationen wiedergegeben (z.B. Obdachlose).

Der formal Aspekt, also beispielsweise die Präsentations-Form mit Reagenzgläsern, ist für sich betrachtet auch wieder ein Zitat; es wird nämlich wissenschaftliches Vorgehen zitiert. Das ist hier eine künstlerische Methode, ein Mittel zur Erzeugung eines spannenden Kontrastes: Das Zitieren der wissenschaftlichen Arbeitsweise mit Schutzanzüge und betont sachlicher Dokumentation kontrastiert krass mit dem subjektiv-ästhetischen Charakter der Landschaftswahrnehmung.

Somit wird also nicht, wie Du meinst, "Scheinwissenschaftlichkeit suggeriert", sondern der Schein-Charakter ist sofort ersichtlich und beabsichtigt. Er ist quasi Stilmittel und eine Methode zur Erzeugung eines wie ich finde eindrücklichen ästhetischen Effektes (Kontrast, s.o.), der ein breites Feld an Gedanken über Landschaft auslösen kann. Dass nicht zwangsläufig bei jeder Betrachterin und jedem Betrachter die gleichen Gedanken ausgelöst werden, liegt in der (subjektiven) Natur der Sache.

Dein Gefühl enttäuschter Erwartung von Wissenschaftlichkeit liegt also in einem Missverständnis begründet. Das ist sehr interessant, denn es zeigt doch, wie unterschiedlich die Kultur der Wissenschaft und die des Entwerfens sind. Eine Diskussion über solche Missverständnisse stellt also eine Art interkulturelle Kommunikation dar.

Der Aspekt des "Zu-Laut-Seins" ist für sich betrachtet eher eine persönliche Gefühlsäußerung Deinerseits. Aber ich denke es wäre eine gute Sache, auch Exkursions-Erfahrungen aus dem Bereich Ökologie und Landschaftsplanung öffentlich zu dokumentieren. Eine Wand im Flur einer Universität kann eine Art Spielfeld sein und ist doch eigentlich ein geeignetes Forum für Ergebnisse, die für die akademische Öffentlichkeit oder die Berufswelt zu experimentell sind. Oder die sich selbst vielleicht nicht allzu ernst nehmen.

Ich hoffe, diese Gedanken zur "Landschaftsprobe" helfen ein bisschen weiter.