LandschaftPlus - der Blog

Landschaft+Gespräch 4

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 15. August 2017 - Personen

08/15/17

mit Ursula Dawo

Klicke auf das Bild, um das Interview zu lesen!

Frau Dawo, umreißen Sie doch bitte kurz Ihren Lebenslauf. Was und wo haben Sie studiert und wie sind Sie zu uns als Dozentin gekommen?

 

Ganz am Anfang habe ich begonnen Mathe/Bio auf Lehramt in Aachen, dort wo ich herkomme, zu studieren. Das war letztendlich nicht ganz meines. Dann habe ich tatsächlich auch erst, als ich schon angefangen habe zu studieren, erfahren, dass man auch Gartenbauwissenschaften studieren kann, das war mir vorher nicht klar. Also habe ich dann hier an der TUM Gartenbauwissenschaften studiert, weil Pflanzen irgendwie schon immer mein Fabel waren. Das habe ich auch nie bereut, für mich war das genau das Richtige. Ich habe dann ganz lange mein Büro bei Euch in der Studienfakultät Landschaft gehabt, zuletzt am Lehrstuhl für aquatische Systembiologie

 

 

 

Also waren Sie schon immer pflanzenbegeistert? War das als Kind auch schon so?

 

Naja, Zimmerpflanzen habe ich damals schon einige gehabt. Ich habe aber zu Hause nicht unbedingt viel im Garten gemacht. Ich habe Gemüsebeete angelegt, das schon. Aber ansonsten habe ich als Jugendliche nicht viel im Garten gemacht. Die Themen, für die ich jetzt versuche Studierende zu begeistern, also z.B. einheimische Pflanzen, habe ich in meiner Jugend nicht wirklich mitbekommen. 

 

 

 

Gar nicht? (etwas erstaunt)

 

Gar nicht, nein. Von meinen Eltern nicht, das war nie Thema. Ich habe also auch zu denen gehört, die am Anfang erstmal so gar nichts wussten.

 

 

 

Was fasziniert Sie an Pflanzen? 

 

Das sind verschiedene Dinge. Erstmal finde ich das Zusammenspiel zwischen Tieren und Pflanzen sehr faszinierend, wenn Sie z.B. an Bestäubung oder Frassabwehr denken. Mich interessiert auch die Nutzung von Pflanzen sehr. Dabei z.B. auch welche Wildpflanzen gegessen werden können. Dieses Thema hatte früher natürlich eine größere Bedeutung und viel von diesem alten Wissen geht heute verloren. In den letzten Jahren gibt es aber auch wieder mehr Interesse an diesem Thema. Ich merke das im Wahlfach „Einheimische Wildpflanzen“, da sind die Studierenden schon immer sehr interessiert, was man da alles tatsächlich essen kann. Ansonsten finde ich auch ziemlich faszinierend, was zum Beispiel in einem Blatt alles biochemisch vor sich geht.

 

 

 

Haben Sie eine absolute Lieblingspflanze?

 

Eine ist schwierig. Ich mag den Tulpenbaum, der da draußen steht (gegen über Eingang Gebäude Ernährungswissenschaften, Anm.). Ansonsten mag ich Astrantien (Sterndolden) und Anthericum (Graslilien) sehr gerne. Die sieht man bei uns in der Kulturlandschaft leider nur noch selten, da müssen Sie in Naturschutzgebiete, in die Berge oder in meinen Garten gehen.

 

 

Da fragt man sich natürlich, haben Sie diese Dinge dann auch im Garten? Oder was hat eine Botanik Dozentin denn überhaupt im Garten und wie sieht der aus?

 

Vieles ja. Ich habe das Glück, dass wir einen großen Garten haben. Wir haben 1400 m2. Da habe ich Platz für Gemüse, Obst und Staudenbeete. Es ist alles selbst angelegt und ich würde es als einen „wilden Naturgarten" bezeichnen. In meinem Gemüsegarten steht nichts in Reih und Glied, sondern auch viel "Unkraut", das ich stehen lasse, weil wir es auch essen. Wenn ich eine neue Gemüsepflanze einsetze, pflanze ich sie dahin, wo gerade eine Lücke ist. Bisschen kreuz und quer. Ich bin also sehr "Unkraut" tolerant. Ich dünge nur mit Kompost und experimentiere nicht viel z.B. mit Brennesseljauche. Auch Pflanzen wie z.B. Rhododendron, die vom Standort gar nicht hierher passen, lasse ich dann auch.

 

 

 

Haben Sie eine Pflanze schon einmal richtig stiefmütterlich behandelt?

 

Manchmal gibt es diesen Zeitfaktor. Also mir ist auch schon etwas kaputt gegangen, klar. Aber so stiefmütterlich, weil ich sie gar nicht mag...doch da hatten wir einmal eine Zimmerpflanze, die heißt „Geldbaum“. Den fand ich schon immer sehr hässlich. Den habe ich dann ins Treppenhause gestellt und nur sporadisch gegossen, das war dann anscheinend genau das richtige, weil der dann auch noch geblüht hat. Aber ich denke, bei mir muss das auch ohne viel Pflege gehen. Die Pflanzen groß zu verhätscheln, dazu fehlt mir die Zeit. Das schiebe ich auf später, wenn ich irgendwann nicht mehr arbeite.

 

 

 

Dreht sich bei Ihnen im Urlaub auch alles um Pflanzen?

 

Ja so weit, wie das meine Familie auch zulässt. Aber jetzt, wo meine Kinder schon älter sind und man nicht mehr oft gemeinsam in den Urlaub fährt, geht das einfacher. Nächste Woche gehen wir mit meiner Tochter in die Berge, da hat sie aber vorher gesagt, wir gehen nur mit, wenn Mama das Buch daheim lässt. Das kann ich aber auch verstehen. Wenn jemand beim Wandern alle paar Meter stehen bleibt, ist das für alle anderen unbefriedigend. Ich war letztes Jahr auch mal etwas weiter weg, auf Borneo, da habe ich sehr viele Nepenthes gesehen, das war ziemlich faszinierend.

 

 

 

Haben Sie schon einmal eine sehr eklige Frucht gegessen?

 

Ja die Durian, die Stinkfrucht. Mir hat sie geschmeckt, sie ist süß und cremig. Die riecht nach Buttersäure und Stinkekäse, das ist erstmal schon eine Überwindung.

 

 

 

Gibt es irgendetwas, einen „botanischen Geheimtipp“, den Sie noch für uns haben?

 

Ja, z.B. Wegerichknospen, die schmecken sehr lecker nach Champignons.

 

 

LandschaftPlus bedankt für das nette Gespräch!

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

0 Kommentare