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Landschaft+Gespräch 3

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 11. July 2017 - Personen

mit Marion Linke

Schwamm sein - Neugierig bleiben und Zufälle zulassen

Marco Giardino und Nikolaus Fröhlich im Gespräch mit Marion Linke über ihr erstes Semester

Wir studieren im ersten Semester Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung und stellen bereits jetzt einige Unterschiede in der Sichtweise auf die Landschaft fest. Nun wird in Deinem Büro beides betrieben. Welche Konflikte, Unterschiede und Gemeinsamkeiten gibt es?

Wirkliche Konflikte gibt es nicht, allerdings gibt es unterschiedliche Herangehensweisen, vor allem bei den Maßstäben. So ist die Landschaftsplanung meistens in viel gröberen Maßstäben unterwegs als die Landschaftsarchitektur. Ich bin zwar ausgebildete Freiraumplanerin, arbeite inzwischen aber hauptsächlich in der Landschafts- und Stadtplanung. Ich finde man sollte sich da auch gar nicht so festlegen, sondern wenn es geht und wenn es einem Spaß macht auch mal in die andere Richtung hineinschauen. Deswegen finde ich gehört beides zusammen.

Lies hier das vollständige Interview!

Das heißt, auch wenn wir uns im sechsten Semester für eine Vertiefungsrichtung entscheiden, können wir im Beruf noch in der anderen Vertiefungsrichtung arbeiten?

Ja klar! Ihr könnt und solltet auch während des Studiums immer in Kontakt mit der anderen Vertiefungsrichtung bleiben. Ich habe beispielsweise Freiraumplanung studiert, hatte aber einen Hiwijob in der Vegetationsökologie, bei dem ich bei der Auswertung von Kartierungen mitgeholfen habe.

Welches war damals während Deines Studiums Dein Lieblingsprojekt?

Das Städtebau-Projekt für eine ökologische Siedlung in Ramsau! Zwar war es nicht mein Lieblingsprojekt, aber eines, was mich am meisten geprägt hat, weil es besonders breit aufgestellt und anstrengend war. Schon damals, 1988, ging es um Kraft-Wärme-Kopplung und Photovoltaik. Da sieht man mal wie weit die Hochschulen der Zeit voraus sind, das ist nämlich das, was heute zum Teil gebaut wird.

Welche Tipps hast du für uns, den ganzen Unistress mit einem Lächeln zu bewältigen?

Man muss sich Freiräume schaffen, sei es Wandern, Radfahren oder Yoga. Irgendwo muss man seinen Akku wieder aufladen, denn mit jeder Planung gibt ein Planer ein Stück von sich selbst her - das ist meinen vielen Auftraggebern gar nicht bewusst. Aber unser Beruf ist auch ein Beruf der Berufung ist, der einem Spaß macht und machen soll. Und nur deswegen kann man ihn machen.

Nun ein Klischee: Ist der Traum eines jeden Landschaftsarchitekten ein wunderschön gestalteter Park oder geht es um mehr?

Ja es geht um viel mehr! Von der Gartenplanung bis zur Planung ganzer Stadtteile oder der Rekultivierung einer Kiesgrube, es kann von ganz klein zu ganz groß sein. Es geht in unserem Beruf aber auch darum, Menschen davon zu begeistern was wir tun!

Wir stehen noch am Anfang unseres Studiums, was sollte für uns in der Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung in Zukunft die Hauptaufgabe sein?

Die offenen Landschaften zu erhalten und vor der Inanspruchnahme aller Nutzer zu schützen. Gerade jetzt, wo die bayerische Regierung die Baugesetze geändert hat, um die Außenbereiche der Siedlungen leichter bebauen zu können, müssen wir die offenen Landschaften in Wert setzen. Denn viele bemerken diesen erst, wenn „ihre“ Alpen nicht mehr zugänglich sind. Wir müssen uns überlegen wo die Grenzen sind, selbst wenn es nur um kleinere Bauvorhaben geht. Das bedeutet aber auch, dass wir als Planer hin und wieder einstecken müssen, denn nicht jeder ist davon begeistert, was wir machen.

Rückblickend auf Dein Studium, was schätzt du, macht das Studium an der TU München so besonders oder so besonders gut?

Zum einen auf jeden Fall das Projektstudium. Es fördert Kompetenzen, die wir als Planer später im Beruf brauchen, wie das Arbeiten im Team und interdisziplinär. Aber auch das Familiäre macht das Studium an der TU München besonders schön. Nutzt Eure Zeit während des Studiums auch, um Euch mit Leuten aus dem Jahrgang oder Wohnheim zu treffen. Noch heute trifft sich unser Jahrgang für ein Wochenende im Jahr. Wichtig ist: Schwamm sein! Immer neugierig bleiben und Zufälle zulassen. 

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