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Botanische Exkursion an die Rotwand

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 25. June 2017 - Studienalltag

von Marco Giardino

Blau, blau, blau blüht der Enzian? Fast, zumindest blühte der Enzian, den wir auf unserer botanischen Exkursion an die Rotwand am Sonntag den 25.06.17 sahen, gelb. Hierbei handelte es sich nämlich um Gentiana lutea, den gelben Enzian. Dieser war aber nur einer von vielen spannenden botanischen Schätzen, die uns Fr. Dawo, unsere Dozentin für Botanik (mit einem überragenden Fachwissen), beim Aufstieg auf den Taubenstein im Rotwand-Gebiet präsentierte.

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Foto: Antonia Riedel
Gelber Enzian (Foto: Antonia Riedel)

Die Studenten des Kurses "Botanik - Systematik der Samenpflanzen" trafen sich um 08.30 Uhr mit Fr. Dawo an der Talstation der Taubensteinbahn am Spitzingsee. Tief eingehüllt in Regenwolken ragte der felsige Gipfel des Taubenstein über uns empor, auf dem Weg dort hin gab es jedoch noch eine Menge zu entdecken. Botanisch besonders interessant ist das Rotwandgebiet deshalb, weil es hier vergleichsweise viele unterschiedliche Standorte gibt - von trocken über feucht, wechselfeucht, sauer oder kalkig. Dementsprechend hoch ist die Artenvielfalt hier. Nachdem es gleich zum Anfang ein "Highlight" mit dem gelben Enzian gab, präsentierten einige der Wiesen auf dem Weg nach oben viele der einheimischen Orchideen. Der häufigste Vertreter war Dactylorhiza fuchsii, eines der Knabenkräuter. Auch Fleischfresser gab es hier oben. Darunter das Gemeine Fettkraut (Pinguicula vulgaris) auf einer feuchten, saueren Wiese am Waldrand, sowie das Alpen-Fettkraut (Pinguicula alpina) auf Felsen wachsend. Auf den ersten Blick eine unauffällige, rosettige Pflanze. Doch beim genaueren Hinsehen offenbart sie ihr wahres, karnivores Dasein: Auf ihren klebrigen Blätter bleiben nicht wenige Insekten kleben und stellen der Pflanze so Nährstoffe zur Verfügung, die ihr einen Vorteil am nährstoffarmen Standort verschafft. Nicht ganz so botanisch, aber dennoch interessant: Auf den Wegen tummelten sich dutzende Alpensalamander (Salamandra atra), so dass man zweimal sehen musste, wo man hintritt, damit man nicht versehentlich zum Salamander-Mörder wurde. Nachdem der Regen teilweise noch zugenommen hatte, waren wir alle über die Einkehr auf einer Bergwirtschaft unterhalb des Gipfels froh. Hier wärmten und trockneten wir uns eine Weile, bevor es noch weiter hinauf ging.

Ein Alpensalamander (Foto: Antonia Riedel)
Weißes Exemplar des Fuchs' Knabenkraut (Foto:Marco Giardino)
Pinguicula alpina (Foto: Marco Giardino)

Nach dem Aufwärmen ging es dann weiter hinauf auf die felsigeren Bereiche unterhalb des Gipfels. Hier dominierten zum Beispiel Pinus mugo ssp. mugo und zahlreiche Spaliersträucher. Hört man Fr. Dawo aber dann plötzlich freudig aufschreien, weiß man: hier gibt es etwas besonderes zu sehen. Und da stand sie, majestätisch auf einem Felsen: Die Türkenbundlilie (Lilium martagon). Auch ein faszinierendes Anblick war hier die Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris). 

Nach einigen regnerischen, doch lehrreichen Stunden löste sich die Gruppe dann an der Bergwirtschaft auf. Wer wollte, konnte den (etwas rutschigen) Weg nach unten zu Fuß antreten oder auch eine Seilbahnfahrt mit schönen Aussichten genießen. 

Pulsatilla vulgaris (Foto: Antonia Riedel)
Zwei alpine Exemplare des Homo sapiens sapiens (Foto: Antonia Riedel)
Lilium martagon (Foto: Marco Giardino)

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