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Exkursion zum Neusiedler See - Jeder Tag ein Abenteuer

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 02. June 2017 - Studienalltag

von Rebecca Kranner, Elisa Huber, Judith Schenkyr und Luise Hanstein

Los ging‘s mit einer langen Busfahrt und viel Stau. In Illmitz, Österreich, angekommen war man in der riesigen Stadt (2359 Einwohner) auf sich allein gestellt. Man verlor sogar seine Mitbewohner (zwei Lehramtstudentinnen) auf dem Weg zur Unterkunft. 

Nachdem wir sieben Landschaftsarchitekten uns am ersten Abend einigermaßen akklimatisiert hatten standen wir am nächsten Morgen vor großen Herausforderungen. Zu bewältigen war eine Wanderung von fünf Kilometern in sechs Stunden. Wie sollte man das nur schaffen?

In der Dürre der Steppenlandschaft wurden wir fast vom Winde verweht. Nur mühselig umschritten wir die Lange Lacke. Alle fünf Meter ein neues Highlight, ob Pflanze, Käfer oder Vogel - es war für jeden Geschmack etwas dabei. Wir als Landschaftsarchitekten jedoch suchten vergebens nach dem sich aufspannenden Raum zwischen den fehlenden Bäumen und Sträuchern.

Lies hier den vollständigen Artikel!

Foto: Rebecca Kranner
Foto: Luise Hanstein
Foto: Rebecca Kranner

Am nächsten Tag galt es einen Berg zu besteigen. Mit ganzen 480 Metern ragte der Hundsheimer Berg vor uns in die Höhe. Im Sinne der Forschung setzten wir uns über sämtliche Regeln hinweg und fingen Insekten, Amphibien und allerlei Geziefer im Naturschutzgebiet um diese anschließend zu bestimmen. Wir unerfahrenen Landschaftsarchitekten konnten trotzdem einige Tiere erfolgreich identifizieren. So langsam gliederten wir uns in die Masse aus Biologen, Zoologen, Botanikern, Ökologen und Lehramtstudenten ein.  

Foto: Luise Hanstein
Foto: Luise Hanstein
Foto: Luise Hanstein

Freitag Abend zur Primetime trafen wir uns mit anderen Interessenten zu einem spannenden Programmpunkt. Ein kurzer Spaziergang, quasi ein Katzensprung von knappen 45 Minuten, und wir waren auch schon angekommen am Biologischen Forschungszentrum Ilmitz. An leuchtenden Baldachinen sammelten sich Millionen von Insekten. Wir wurden in die spannende Welt der Spanner, Spinner und Schwärmer eingeführt. Auf einmal fielen säuglingsfaustgroße Kolbenwasserkäfer vom Himmel auf uns, die ein Botaniker aus reinem Interesse in die Luft geworfen hat. Vielleicht war dem Käfer nicht nach fliegen zu Mute. Als wir auf dem Heimweg eine Kröte fanden, waren wir Stolz über den Fund und schwer beeindruckt, bis wir von ihr bepinkelt wurden. 

Foto: Judith Schenkyr
Foto: Judith Schenkyr
Foto: Luise Hanstein

 

In der flirrenden Hitze des dritten Tages konnte man die Illmitzer Hölle (Naturschutzgebiet) mit der Afrikanischen Steppenlandschaft verwechseln. Statt Kühen sahen wir Bisons, statt Rehen Gazellen und anstatt Przewalskipferden Zebras. Dieser Tag barg eine weitere besondere Aufgabe für uns. Wir wurden verantwortlich erklärt für die Erfassung der meteorologischen Daten. Zunächst überfordert mit den Geräten zur Windstärke-, Sonnenintensitäts-, pH-Werts- und sonstigen Messungen, haben wir sicherlich einige Daten versemmelt. Um unserem Studium gerecht zu werden, analysierten wir bei der Bodenbeschaffenheit statt den Agrarböden die Wegebeläge. 

Foto: Luise Hanstein
Foto: Luise Hanstein

Abends ließen wir die Exkursion bei Illmitzer Hausmannskost und regionalem Prädikatswein ausklingen. Das Lesen der Speisekarte stellte sich als schwerer heraus, als wir gedacht hätten. Sich zwischen Blunzn und Selchwürsten zu entscheiden ist nicht einfach. Weinbau sollte man im Übrigen überhaupt nicht unterstützen, da er am Neusiedler See das größte ökologische Problem ist. Schlechten Menschen geht es immer gut: wir haben ihn reichlich genossen.

Allgemein lässt sich sagen, dass wir eine Menge über die Flora und Fauna des pannonischen Beckens erfahren und gelernt haben. Dennoch - die interessanteste Spezies war für uns jedoch der immer wieder kehrende, in allen Gebieten verbreitete Homo sapiens sapiens. Er fiel auf durch seine bunten Rückenpanzer und extreme Rudelbildung. Man sah ihn nicht nur auf offenen Flächen, sondern auch im Unterholz. Auf der ewigen Suche nach Objekten seiner Begierde, sei es Pflanze, Insekt oder Amphib. Außerdem fiel er auf durch seine Lautstärke. 

Foto: Judith Schenkyr

Diese Exkursion hat uns allen sieben viel Spaß gemacht, auch wenn wir doch den ein oder anderen Kulturschock erlebt haben. Wie sich herausstellt, hat jeder eben seine Vorlieben: ob eine Biologin Rehbeine im Gefrierschrank lagert, ein Botaniker mit Käfern schmeißt oder sich ein Professor von einer Natter beißen lässt... oder wir Landschaftsarchitekten mit unseren eigenen unzähligen Marotten. Wenn man dann den „Brennenden Busch“ (Diptam) oder eine der seltenen Orchideen findet, verbindet uns das gemeinsame Be- und Erstaunen über die Natur. 

Foto: Judith Schenkyr
Foto: Marco Giardino
Foto: Marco Giardino
Foto: Luise Hanstein

 

Mit vielen schönen Erfahrungen und Entdeckungen, manch einer mit einem kleinen Sonnenbrand, kehrten wir alle am Sonntagabend heile und glücklich nach Freising zurück. Es waren alles in allem fünf sehr lehrreiche Tage mit leichtem Klassenfahrt-Charakter. 

Foto: Nikolaus Fröhlich

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2 Kommentare

Marie

12. June 2017

Forschungszentrum Ilmitz? War vor zwei Jahren dabei, aber da waren wir leider nicht... Das Programm ändert sich scheinbar doch jedes Mal!


Marco

03. June 2017

Artenkenntnisse, Sonne und Spaß

Witziger Artikel! Sehr empfehlenswert die Exkursion! Vielen Dank auch an Fr. Dawo, Hr. Luksch, Hr. Schäfer und Hr. Gebhart für die lehrreichen Tage :)