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Ostereiersuche für Fortgeschrittene

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 19. May 2017 - Forschung, Aktuelles

von Marie Heuberger

Wer liebte es als kleines Kind nicht im Garten der Eltern nach den Osternestern zu suchen? Tja, wenn man Landschaftsplanung studiert, sucht man auch später noch voller Elan nach Nestern. Aber nicht nach Osternestern, sondern nach Vogelnestern!

Dieses Wochenende haben sich einige Freisinger und Münchner Ornis (=Ornithologen/Vogelkundler) auf den Weg zum Bodensee gemacht, um ein Seminar über Brutbiologie von Vögeln im Max Planck Institut für Ornithologie zu besuchen. 

Bei der Ankunft stellte ich erst einmal fest, wie leicht man doch an der Kleidung erkennt, wofür sich Menschen begeistern. Die meisten von uns kennen den „geheimen Dresscode“ der Architekten: Hauptsache schwarz. Ornis haben auch einen: Regenjacke, Outdoorhose und als Accessoire ein Fernglas um den Hals. Fast alle auf dem Seminar haben sich an den Ornidresscode gehalten. 

So saßen wir nun alle um neun Uhr morgens an einem Samstag in einem Institut mitten im nirgendwo. Es wurde nicht viel geredet, die einen holten sich einen Kaffee, die anderen schlichen neugierig um die auf einem Tisch ausgestellten Vogelnester. Wolfgang Fiedler, Seminarleiter und allwissende Bibel der Vögel, eröffnete das Seminar mit einer Vorstellungsrunde. 

Warum legen Vögel überhaupt Eier? Bisher habe ich das einfach als Tatsache hingenommen, aber tatsächlich gibt es einen sehr praktischen Grund dafür: Die ganze Arbeit bleibt nicht allein am Weibchen hängen. Das Männchen kann sowohl beim Brüten, als auch beim Füttern helfen. Stellt euch mal vor, Menschen könnten sich die Schwangerschaft auch teilen ;)!  

Lies hier den vollständigen Artikel!

Foto: Marie Heuberger
Beutelmeisennest (Foto: Marie Heuberger)

Aber bevor die Eier gelegt werden können, muss erst einmal ein Nest gebaut werden. Die „Napfnester“ sind allgemein bekannt und wohl auch die gewöhnlichsten, aber es gibt auch wahre architektonische Kunstwerke: Das Nest der Beutelmeise zum Beispiel ist eine freihängende, gemütliche Höhle. Oder das des Teichrohrsängers ist zwischen Schilfhalmen eingewebt und hält trotzdem bis zu fünf Küken aus. 

Sind die Küken dann geschlüpft, geht es darum, dass Maul möglichst weit aufzureißen. Ja, richtig gelesen: Maul aufreißen, auch sperren genannt. Sobald die Küken auf der Welt sind, konkurrieren sie um die Aufmerksamkeit der Eltern bei der Fütterung. Und wer den auffälligeren Rachen hat und diesen auch zeigt, bekommt eben mehr Futter.

Nach dem theoretischen Teil begaben wir uns auch selbst auf die Suche nach Vogelnester. Leider war es gar nicht so einfach wie gedacht. Selbst wenn jemand in die richtige Richtung zeigt, kann es noch schwer sein das Nest zu sehen. Trotzdem haben wir ein Heckenbraunellen-, Amsel- und Mönchsgrasmückennest gefunden.

Müde und um viele Erkenntnisse reicher ging es dann wieder zurück nach Freising.

Kleiberküken (Foto: Marie Heuberger)
Zaunkönignest (Foto: Marie Heuberger)

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