LandschaftPlus - der Blog

Projekt Landschaftsarchitektur 2: Nanga Parbat - Ein erster (realer) Eindruck

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 17. May 2017 - Studienalltag

von Marco Giardino

Wir hatten es schlimmer erwartet - sagen wir es einmal so. Nach der theoretischen Projekteinführung in unser Landschaftsarchitekturprojekt an der Nanga-Parbat-Straße in München-Moosach hatte ich einen Problembezirk mit Berliner Ausmaßen erwartet. Doch dann fanden wir an unserem Exkursionstag einen, für viele von uns, überraschenden Zustand des Viertels vor: Die Bebauung ist zwar typisch für die 60er Jahre, in großen Wohnzeilenbauten und meist wenig optisch attraktiv. Dennoch gibt es bereits großzügige Grünflächen mit erhaltenswertem Gehölzbestand. Trotzdem wurde das Gebiet um die Nanga-Parbat-Straße von der Landeshauptstadt München zum Untersuchungsgebiet auf Sarnierungsbedarf erklärt. Warum also? Das erklärte uns ein Vertreter der Landeshauptstadt: Bereits jetzt gäbe es tiefgreifende strukturelle und soziale Defizite, die es mit einer vernünftigen Stadtplanung zu beseitigen gilt. In anderen deutschen Großstädten würde man sagen, hier meckert man in München ja wieder einmal auf hohem Niveau. Aber vielleicht ist dieser geschärfte Sinn der Münchener Verwaltung auch ein Aspekt, der unter anderem dazu beiträgt, dass es in München keine "Ghettos" und "No-Go-Areas", wie man sie aus Berlin und Städten in Nordrhein-Westfalen kennt, gibt. Dass es soziale Defizite gibt, zeigte sich auch in unseren Gesprächen mit Anwohnern vor Ort. Meine Arbeitsgruppe wurde beim Abmessen einer Grünfläche gleich hastig gefragt, ob "da jetzt dann eine Moschee hinkommt". Außerdem sagte man uns, es solle am besten alles so bleiben, wie es ist. Soll es das wirklich? Denn die Angst vor Veränderung und das Misstrauen gegenüber Ausländern, Muslimen, Behörden und der Politik zeigt eben diese Spaltung der Gesellschaft auf, die sich derzeit durch die ganze Bundesrepublik zieht. Und hier soll die Landschaftsarchitektur Abhilfe verschaffen? Ich sage: Ja. Durch clevere Konzepte und Gestaltung des Raumes kann man die Menschen auch ganz unbewusst zur Begegnung bringen und helfen, ihnen das Misstrauen voreinander zu nehmen. Natürlich ist das nur einer von vielen Aspekten, die zu einem guten Zusammenleben einer immer heterogener werdenden Bevölkerung beitragen. LAI hat sich also dieses Semester für uns ein besonders komplexes und zugegebenermaßen schweres Projekt überlegt. Trotzdem ein extrem spannendes Thema, das viel Freude beim Arbeiten bringen wird. Auf ein gutes Semester!

Die Zweitsemester mit Jonas Bellingrodt, Lars Hopstock und Uta Cascorbi auf der großen Grünfläche an der Nanga-Parbat-Str. (Foto: Marco Giardino)

Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.

0 Kommentare