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Avatar of andreas.printz andreas.printz - 13. May 2017 - Aktuelles, Forschung, International

von Andreas Printz

Daheim in der Welt. Die erste Ausstellung von dezidierten LandschaftsarchitektInnen im Architekturmuseum der TUM in der Pinakothek der Moderne. Und gleich ein Riesenerfolg mit mehreren hundert BesucherInnen pro Tag. Wunderschöner Presse. Begeisterten BesucherInnen.
Gelungene, ästhetische Provokation. Das Plakat zeigt einen gewundenen Flussverlauf. Bei genauerer Betrachtung ist es eine Kloake, die Flanken sind Müllberge. Gleichzeitig Waschplatz, Spielplatz, lebensfeindlicher Lebensraum für einen Großteil der Menschheit. Alltag in Großen Süden. Das zeigt alles die Ausstellung auf hohem ästhetischem Niveau. 5 Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten geben Einblick in ihre Projekte draußen im Großen Süden.

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Das alles kann ein Referent für Internationalisierung, der selbst langjährige Projekterfahrungen in diesen Regionen gemacht hat nur lobend erwähnen und gut finden. Und empfehlen hinzugehen mit mehr Zeit als z.B. bei der Eröffnung, wo man leicht durch vielfältige Gespräche von der Darbietung abgelenkt sein konnte. Dann geschieht nämlich das Gefährliche: man bleibt bei der Oberfläche hängen, am wunderschönen Topographischen-Modell, welches 4 Hiwis in wochenlanger Arbeit erstellt haben. Schon allein deswegen ist es wert, das Modell ins Museum zu stellen. Freilich habe ich mich auch gefragt, was einem die atemberaubend dynamische Topographie und die eingestreuten Häuser/Hütten darauf sagen sollen? Dasselbe schale Gefühl bleibt auch bei weiteren präsentierten Gegenständen wie Drohnen oder Baumteilen. Aha, ein Moringabaum hat also tatsächlich sehr multifunktionale Aspekte. Schön präsentiert, inhaltlich aber flach. Bekommt man das wirklich dadurch einsortiert, was das für die BewohnerInnen bedeutet? Inwiefern damit möglicherweise auch ein anderer kultureller Umgang und ökologischer Nutzen induziert wird/werden könnte? Viel möglicherweise willkürliche Analyse und für LandschaftsarchitektInnen - erstaunlich wenig gestalterische oder gar planerische Aussage. Da kommt einem dann, zumindest in der Hektik und beiläufigen Betrachtung am Eröffnungsabend für z.T. millionenschwere, langjährige Forschungsprojekte deutlich zu wenig Aussage rüber. Möglicherweise fehlen der Landschaftsarchitektur alleine aber da auch die Bordmittel, um wirklich mit fundierten, umfassenden Konzepten den Alltag der Betroffenen im Sinne von Nachhaltigkeit verändern zu können. Quantifizierende Modelle zur Beschreibung und Beeinflussung der atemberaubenden Dynamik, Ideen zur Veränderung der treibenden sozioökonomischen Rahmendimensionen, das Aufzeigen strukturierter integrierender Zusammenhänge und Akteurskonzepte.
Es geht hier keineswegs darum die Ausstellung schlecht zu reden. Natürlich ist die Ausstellung allen aus der Profession zu empfehlen. Und natürlich sind alle Mittel, auch die einer ästhetisierenden Ausstellung recht, auf die eigentlichen Probleme der Menschheit, hinzuweisen. Die von den meisten Einwohnern hier ansonsten nicht wahrgenommen werden wollen oder können. Gerade in der schicken Münchener City, zumal in einer Pinakothek der Moderne, gerade auch von (Landschafts-) ArchitektInnen. Dafür also nochmal meinen aufrichtigen Glückwunsch.
Nach schneller Betrachtung verpasst die Ausstellung jedoch m.E. leider eine gezielte, kritische Auseinandersetzung mit den realen Möglichkeiten zur Veränderung der Objekte (und Subjekte). Eben auch die Thematisierung, warum man hier so tief in einschlägigen Methoden und Analysen feststeckt. Aber man hat auch nicht das Gefühl, dass offene Fragen und Widersprüche in der Ausstellung formuliert werden sollen, sondern eher ein neues Untersuchungsobjekt der Landschaftsarchitektur gezeigt werden soll. Und einen irgendwie mit zu vielen Fragezeichen aus der Ausstellung entlässt.
Meine größte Hoffnung für die Ausstellung ist, dass das Thema tatsächlich kein Modethema ist, was nun einfach effektiv im Sinne eines provokanten Schaueffekts „bespielt“ wird. Und dass die Landschaftsarchitektur die Offenheit findet, die komplexe Umfänglichkeit der Situation mit Fachbereichen anzugehen, welche dazu ernsthafte Lösungsansätze bieten können. Klar ist, dass ‚schöne‘ Gestaltungsanalyse dazu nicht ausreichen wird. Als potentiellem Geldgeber wäre mir auch nicht klar, welcher Lernerfolg im Sinne der fördernotwendig interdisziplinären, integrierten Ansätze hier präsentiert oder suggeriert wird. Oder anders: Wo stehen wir jetzt mit den gezeigten, offenbar abgeschlossenen Projekten. Und wie, warum und wenn ja wie arg und wie genauer müsste es jetzt an dieser und vielen anderen Stellen weiter gehen? 

Die Ausstellung im TUM-Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne in München läuft noch bis 20. August 2017

--> zur Ausstellung Architekturmuseum

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