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Zwei Wochen im Paradies

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 26. April 2017 - Studienalltag

von Marie Heuberger

Wart ihr schon mal an der Nordsee? Viele von euch wissen sicherlich, dass das Wattenmeer  geschütztes Weltkulturerbe ist. Und in dieser riesigen Schatzkammer gibt es viele kleine Wunder zu entdecken, von denen ihr vielleicht noch nie gehört hab. Einer davon ist die Vogelschutz Hallig Norderoog. 

Sie liegt in der Schutzzone I des Nationalparks und darf von Touristen nur nach der Brutzeit bei geführten Wattwanderung betreten werden. Ansonsten lebt auf der Hallig nur ein Vogelwart und im Winter ist sie völlig unbewohnt. Wozu der ganze Aufwand? Hier ist einer der letzten Orte an denen die stark gefährdete Brandseeschwalbe regelmäßig brütet. Mit bis zu 5000 Brutpaaren beanspruchen sie ab April die Hallig. Sogar auf Tischen, Bänken und den Umläufen der Pfahlhütten brüten sie! 

 

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Foto: Marie Heuberger

Ist die Brutsaison vorbei erobern tatenhungrige Naturschützer im Rahmen von Workcamps Norderoog. Bis zu 20 Jugendliche kommen im Zweiwöchigen Wechsel um aktive Naturschutzarbeit zu leisten. Hauptsächlich werden hier Lahnungen repariert und neu gebaut. Eine Lahnung besteht aus zwei Pfahlreihen und dazwischen Reisigbündel, Faschinen genannt. Sie werde mit Seilen (Tampen) festgezurrt. 

Dieses Lahnungssystem schützt die Hallig vor der Gewalt des Meers. Ohne sie würde Norderoog durch Erosion und Sedimentabtragungen immer kleiner werden. Das ist auch schon passiert. Vor 100 Jahren war sie noch 18 ha groß und bis 1970 schrumpfte sie auf 7,8 ha. Durch den Bau einer Steinkante an der Westspitze und die Lahnungsringe um die gesamte Hallig herum konnte die Fläche bei 10 ha stabilisiert werden. 

 

 

Foto: Marie Heuberger

Doch wie sieht es jetzt bei so einem Workcamp eigentlich aus?

Man lebt in einfachen Zelten, die Pfahlhütten dürfen nicht betreten werden, da sie geschont werden sollen. Sie zu reparieren ist sehr aufwendig und teuer. Es gibt auch kein fließendes Wasser. Überhaupt ist das Süßwasser dem Kochen und Trinken vorbehalten. Zum Waschen gibt es nur Salzwasser und als Toilette dienen zwei Plumpsklos mit Blick zum Meer.

Der Tagesablauf wird von Ebbe und Flut bestimmt. Das fängt beim Aufstehen an, geht über die Arbeitsdauer, bis zum Feierabend. Bei Niedrigwasser wird an den Lahnungen gearbeitet. Pfähle werden mit der großen Motorramme im Boden versenkt. Lahnungen werden gepackt und verspannt. Ist das Wasser dann so hoch, dass das kleine Boot am Ende des Stegs schwimmt, fährt man raus zu dem „großen Boot“, der Schute und holt Material für die nächste Arbeitsschicht. 

 

 

 

Foto: Marie Heuberger
Foto: Marie Heuberger
Foto: Marie Heuberger
Foto: Marie Heuberger

Einige werden sich jetzt vielleicht wundern, warum man sich solche „Unannehmlichkeiten“ zwei Wochen lang antun soll. Einerseits natürlich, weil man etwas Gutes für den Erhalt der Artenvielfalt tut. Aber es gibt einem noch viel mehr, als dieses befriedigende Gefühl etwas Gutes getan zu haben: Nur in den Workcamps kann man diese einzigartige Hallig erleben. Nirgendwo sonst in Deutschland sieht man so viele Sterne wie auf Norderoog. Nirgendwo sonst kann man wilden Robben so nahekommen und selten sieht man einen größeren Mond als hier. Ganz zu schweigen von dem rauen Wind, der nachts an den Zeltwänden rüttelt und einen sanft in den Schlaf wiegt. Oder den Sonnenuntergängen, die besser sind als jeder Kinofilm. Selten singt man so viel und isst so oft bei Kerzenschein wie auf der Hallig. Aber das Beste ist das wahnsinnige Gemeinschaftsgefühl, dass einen packt, wenn man nach einem anstrengenden Arbeitstag gemeinsam im Küchenzelt sitzt und selbstgedichtete Lieder schmettert. 

Foto: Marie Heuberger
Foto: Marie Heuberger

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