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Landschaft+Gespräch 2

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 23. April 2017 - Personen

mit Ferdinand Ludwig

In der zweiten Ausgabe von Landschaft+Gespräch sprechen wir mit unserem neuen Professor Ferdinand Ludwig. Außerdem hat uns Herr Ludwig einen Lebenslauf und ein Portfolio zur Verfügung gestellt. Er und sein Team werden sich am Montag, 24.04.2017 um 10 Uhr dem Haus vorstellen. Hier erfahrt ihr schonmal Einiges über ihn!

fett - LandschaftPlus

kursiv - Ferdinand Ludwig 

 

Herr Ludwig, nun ist schon recht bekannt wer Sie sind und was Sie gemacht haben. Als sogenannter Baubotaniker sind Sie bekannt geworden, vielleicht können Sie Ihren Lebenslauf davor kurz umreißen?

 

Ich habe in Stuttgart Architektur studiert und war dort immer so eine Art Grenzgänger, weil ich schon sehr früh in meinem Studium auf ein Sonderfeld der Architektur gestoßen bin. Nämlich das Bauen mit Bäumen, woraus wir dann den Begriff der Baubotanik entwickelt hatten. Das hat mich sehr fasziniert und das Netzwerk wuchs schnell. Ich habe gemerkt, dass man damit nur Entwerfen kann, wenn man da auch gewisse botanische Grundkenntnisse hat und diese dann in Entwurfsregeln überträgt. So ist dann letztendlich auch meine Promotion entstanden. Da ist mir aber auch mehr und mehr klargeworden, dass es eigentlich kein Kernbereich der Architektur mehr ist, sondern ein sehr interdisziplinäres Feld. Das war ein Weg ausgehend von der Architektur über die Botanik und Biologie und letztendlich hin bis zur Freiraumplanung und zu Landschaftskonzepten.

 

Wurden Sie mit Ihrer Idee in der Architektur vielleicht in den frühen Jahren nicht ganz ernst genommen?

 

Ja, am Anfang war das schon ein bisschen skurril und Hippie für manche Leute. Da gab es die einen Leute, die fanden es lustig und andere, meinten das klappt nicht. Aber es gab auch viele die daran geglaubt haben, eine Art Vision hatten und mich da auch sehr stark unterstützten. Das Vertrauen darin, dass es auch etwas ernst zu Nehmendes ist, das ist erst im Laufe der Jahre gewachsen. Wir haben nämlich nicht darauf gesetzt irgendwelche Luftschlösser zu bauen, sondern auch immer die Möglichkeiten und Grenzen aufgezeigt und diese dann in die Konzepte und Entwürfe eingebaut. 

 

Was ist Ihre Vision oder Hoffnung für die Zukunft von der Sie sprachen?

 

Ich bin gewiss kein Weltretter und sage alle Städte sollen so aussehen, wie ich das denke. Es ist eher die generelle Überlegung, dass wir heute, wo wir unser Zeitalter ja auch als Anthropozän bezeichnen, wo man Technik und „Natur“ häufig nicht mehr unterscheiden kann, dies auch auf die Architektur zu übertragen. Es ist doch sehr spannend, dass ein Haus plötzlich Aspekte des Lebendigen hat und der Baum Aspekte des Technischen, weil er konstruiert ist. Auf dieser Ebene wollen wir konzeptionell weiterarbeiten und dies in unterschiedlichen Bereichen ausformulieren. Natürlich gehört Forschung und Lehre da bei uns auch dazu.

 

Das sind wir ja gerade bei einem passenden Punkt. Was werden unsere Studenten von Ihnen und Ihrem Team so in der Lehre mitbekommen?

 

Wir haben ein Entwurfsprojekt, dass als Bachelorarbeit oder Masterprojekt angeboten wird. Das ist das Parkhaus Garching. Da geht es darum, dass am Campus Garching Parkhäuser gebaut werden sollen, da hier sehr viele Leute mit dem Auto kommen. Das ist etwas skurril, da dort ja sehr zukunftsorientierte Forschung betrieben wird. Also könnte man ja darauf spekulieren, dass die Autos irgendwann verschwinden und die Parkhäuser somit überflüssig werden. Wir sagen deshalb, man darf die Parkhäuser nicht monofunktional entwerfen, sondern muss sich als multifunktionale Freiräume von Anfang an denken. Außerdem dürfen sie nicht in Konflikt mit dem Landschaftsschutz in der Umgebung treten, sondern diesen noch bereichern. Genauso wie die Mobilität der Menschen verändern sich ja auch wachsende Pflanzen. Wir versuchen diese ökologisch-botanische mit der technisch-gesellschaftlichen Entwicklung zu verzahnen. Sehr wichtig ist also das Denken in Möglichkeiten, Prozessen und Wahrscheinlichkeiten. Da ist der klare Unterschied zur Architektur, die ja häufig sehr statisch denkt. Landschaftsarchitekten denken da schon eher dynamisch, aber auch hier sehen wir noch ein Entwicklungspotential, dass dieses Thema noch viel mehr zum Bestandteil eines Gestaltungskonzeptes werden sollte. Lehre ist bei uns immer sehr eng mit der Forschung verknüpft. Darüber hinaus bieten wir noch einen Workshop im Rahmen des Moduls „Praktizierte Technik“ bei „Landworks Calabria“ an. Da geht es darum, innerhalb von zehn Tagen in interdisziplinären Teams eine landschaftliche Intervention zu planen und umsetzen. Das ist recht anspruchsvoll aber auch unglaublich lehrreich, weil man das, was aus dem Kopf entspringt mit den eigenen Händen direkt physisch erlebbar macht. Da lernt man viel über das Material, das man verwendet, die Zeit die man dazu braucht, die Grenzen des eigenen Tuns und wie man mit den Leuten vor Ort zusammenarbeitet, auch wenn man die Sprache vielleicht gar nicht kann. Der Erkenntnisgewinn ist immer unglaublich hoch bei solchen 1:1-Projekten.

 

Das klingt schonmal vielversprechend! Warum haben Sie sich hier an der TUM beworben für Ihre Professur?

 

Wir können unsere Ansätze hier sehr gut einbringen, da die TUM sehr interdisziplinär ist. Wir wollen in den Bereichen Landschaftsarchitektur, Architektur und Ingenieurwesen auf der einen und auf der anderen Seite im Bereich der Biologie, speziell der Ökologie und Botanik arbeiten. Das ist das tolle an der TUM, dass es hier fast alles gibt. Da können wir sehr gut anknüpfen. Hier gibt es also fantastische Forschungsmöglichkeiten. Diese Bedingungen sind in Deutschland einzigartig. Derzeit bereiten wir den Umzug unserer Versuchspflanzungen nach Dürnast vor.

Curriculum Vitae

Personal Data

Dr.-Ing. Ferdinand Ludwig

born: 07.03.1980, Überlingen

german

 

Career

since 2013

Independent Architect, Chamber of Architects in Baden-Württemberg, no. 093598

2012

Doctorate (summa cum laude) under Prof. Dr. Gerd de Bruyn (IGMA, University of Stuttgart) and Prof. Dr. Thomas Speck (Plant Biomechanics Group, University of Freiburg)

Awarded with the "prize for outstanding scientific achievements" by University of Stuttgart

since 2012

Regularly position as a visiting professor in Sardinia, Italy (University of Alghero / Landworks Sardinia) within the program Landworks Sardinia

since 2008

Research associate at the Institute for Architectural Theory (IGMA) at the University of Stuttgart

Teaching of seminars, design projects and workshops

Acquisition of third-party funds, management and implementation of research projects

Design, execution planning and implementation of experimental structures

since 2010

Cooperative office ludwig.schönle with the architect and urban planner Daniel Schönle

Design and realization of Baubotanik projects

Participation in competitions

Feasibility studies

2007-2010

Scholarship holder at the German Federal Environmental Foundation (DBU)

2006/2007

Start-up funding in the program Exist-Seed

Diploma thesis at the University of Stuttgart (2006), awarded with the "Diplompreis" and the Archiprix International (participants favorite)

2000-2006

Architecture student at the University of Stuttgart

 

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weiterführende Links

https://www.facebook.com/baubotanik.org/?fref=ts

 

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1 Kommentare

Marie Heuberger

07. May 2017

Bauen mit Bäumen? Ich bin gespannt :)!