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Frei Otto. Denken in Modellen. Bauen mit der Natur.

Avatar of andreas.printz andreas.printz - 03. March 2017 - Aktuelles, Personen

von Andreas Printz

Ausstellung am ZKM in Karlsruhe. Nur noch bis 19. März!

Frei Otto kennt eigentlich jeder, auch wenn ihm der Name möglicherweise unbekannt oder gar merkwürdig vorkommt. Frei Otto ist der Architekt der Münchener Olympiastadionbauten! Sollte man ihn immer noch nicht kennen, sollte man das auch und gerade als angehende/r LandschaftsarchitektIn oder LandschaftsplanerIn schleunigst nachholen: Frei Otto (†2015) war einer der bekanntesten deutschen Nachkriegsarchitekten, welchen es gelang international ein neues Deutschlandbild jenseits faschistischer Brachialität zu vermitteln. Zwei Monate nach seinem Tod wurde Frei Otto mit einem der wichtigsten Architekturpreise, dem → Pritzker-Architekturpreis ausgezeichnet.

Lies hier den vollständigen Artikel!

Ungestört vom Mainstreamnoise angesagter Hauptstädte entwickelte Frei Otto als Professor des „Instituts für Leichte Flächentragwerke“ an der → Universität Stuttgart Leichtbauwerke, meist als Dachkonstruktionen oder z.B. für Brücken. Ab und an sieht man auch → Buckminster Fuller trapsen, wenn ganze Forschungsstädte in gigantischen Klimakuppelkonstruktionen in der Arktis geplant werden. Einer der letzten Planungen von Frei Otto waren übrigens die  "Lichtaugen"-Säulen-Konstruktion für den neuen Stutgarter Tiefbahnhof (Stuttgart21), allerdings → distanzierte er sich später von dem Projekt.  
Natürliche Strukturen (z.B. Spinnennetze) waren oft Vorbilder für Otto’s Konstruktionsideen. Modelle spielten regelmäßig eine zentrale Rolle beim Entwurfsprozess der Konstruktionen. Dafür wurden auch eigens exotische Werkzeuge wie z.B. eine „Seifenhautmaschine“ ein „Minimalweggerät“ oder ein „Kipp- und Drehtellergerät“ entwickelt.
Frei Otto's umfangreiches Werksarchiv wird vom Südwestdeutschen Archiv für Architektur und Ingenieurbau (→ saai) in Karlsruhe aufbewahrt. Sein umfangreiches Œuvre wird derzeit (allerdings nur noch bis 19.März) am → ZKM (Zentrum für Kunst und Medien) in Karlsruhe gezeigt. Hier bekommt man einen guten Eindruck von seinen Werken, seinem Denken aber vor allem auch von seinen Modellen. Besonders beeindruckend wurden diagonal durch eine der großen Lichthallen der ehemaligen Rüstungsindustrieproduktionsgebäude geführten 50m langen und straßenbreiten Arbeitstisch ein großer Teil seiner Modellkonstruktionen aufgereiht. Über 200 Modelle, Objekte, Werkzeuge und Instrumente, über 1.000 Fotos, Zeichnungen, Skizzen, Pläne und Filme sowie mehrere medientechnische Großprojektionen führen sehr gut in die Schaffenswelt von Frei Otto ein. 
Und hinterlässt einen irgendwie mit der merkwürdigen Frage, warum es aktuell so wenige lebende Frei Otto’s gibt. Die Ausstellung kann dazu beitragen bei der zukünftig gestaltenden Generation mehr Mut zu Unkonventionalität und Genialität zu säen.
Wer es noch schaffen sollte – ein Muss für alle, die an neuem und interdisziplinären Denken und Entwerfen Interessierten! 

Alle Infos zum Besuch des → ZKM

Alle Bilder: Andreas Printz
Alle Bilder: Andreas Printz
 
 

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