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Allein unter Architekten

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 21. February 2017 - Studienalltag

von Svenja Schmitz

Machen wir uns auf den Weg zum Stammgelände.
Mit Zeichenrolle und Deuter-Rucksack ausgestattet, das Haar strubbelig und die Klamotten praktisch. Das ist der typische Landschaftsarchitekt –und planer wie man ihn an der Uni häufig zu sehen bekommt. Am Grünen Campus, denkt man darüber keine 2 Sekunden nach.
Wieso auch? Hier sehen alle so aus und man fühlt sich pudelwohl.

Das Stammgelände ist da eine andere Welt. Schließlich wimmelt es hier nur so von Architekten und BWLern, die sich ohne Wollmantel und perfekt sitzende Frisur nicht vor die Tür wagen und dafür morgens lieber 10 Min zu spät in den Hörsaal schlendern.
Man soll andere Leute ja nicht in Schubladen stecken, aber seien wir mal ehrlich. An Stereotypen ist immer etwas Wahres dran.

Der Donnerstag ist bei Landschaftsarchitekten nicht gerade der beliebteste Tag der Woche.
Als wäre es nicht schon schwer genug, gerade Linien im geforderten Winkel frei Hand zu zeichnen, hat Peter in der Zeichenstunde so ein schnelles Tempo drauf, dass man, wenn man zur falschen Zeit blinzelt und einen Zwischenschritt verpasst, gar nicht mehr klar kommt.
Da kann es auch mal passieren, dass einem beim kurzen Blick auf die Zeichnung des Architekten neben einem vor Scham die Röte ins Gesicht steigt.

Vom allseits bekannten „E. u. G.“ (Entwerfen und Gestalten)-Lehrstuhl gibt es aber auch nichts geschenkt.
Man verlangt nicht nur, dass wir kreative Ideen haben, sondern diese auch noch anschaulich aufs Papier bringen, um sie dann noch mit einem ausgeklügelten Konzept zu unterstützen
und in einem perfekten Modell zu verwirklichen.

Als wäre das nicht genug, wird man von den Architekten dann gerne noch als spatenschwingender Bäume-Umarmer bezeichnet. Das könnte eine verletzende Wirkung haben, aber wir lieben Bäume nun mal wirklich.
Dafür ernten wir dann wenigstens anerkennende Blicke von der Seite, wenn es um das Zeichnen von Vegetation um das verdächtig einsturzgefährdet wirkende Haus herum, geht.

Wenn man jedoch einen Architekten allein erwischt, realisiert man schnell, dass die meisten von ihnen eigentlich ganz nette Menschen sind. Vielleicht ist es einfach die einschüchternde Wirkung von einer großen Gruppe, die schicker angezogen ist und das Zeichnen besser drauf hat. Und vielleicht ist es auch die voreingenommene Haltung unsererseits, weil man von den älteren Semestern bereits in der ersten Woche eingetrichtert bekommen hat, dass die Architekten von Grund auf böse sind.

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4 Kommentare

Svenja Schmitz

24. April 2017

Hallo Leon,

danke für dein liebes Feedback!

Es freut mich, dass du den Artikel als Architektur-Student nicht zu ernst nimmst.

Er war ja auch eigentlich eher witzig gemeint. :D


Leon

16. March 2017

Zwei Welten

Hallo Svenja,

 

eine Freundin (LA) hat mir (Architekt) diesen Link empfohlen. Ich konnte mir bei dem Lesen ein Grinsen nicht verkneifen, da ich als Architekt mit vielen LA-Freunden beide Seiten kenne. :D

 

Auf jeden Fall vielen Dank für den schönen Artikel und Respekt für den letzten Abschnitt! Ich finde es sehr schön, dass Du nicht direkt einfach mit Vorurteilen um dich wirfst und diese als Fakten darstellst, sondern am Ende eine gewisse Neutralität zwischen beiden Parteien herstellst. Sowas trauen sich nicht viele - auch wenn es vielen klar ist. ;)

 

Liebe Grüße vom Vorhoelzer

Leon


Svenja Schmitz

13. March 2017

Ich bin ein Ersti und hatte schon einen schlechten Eindruck von den

Architekten bevor ich überhaupt das Stammgelände betreten habe. :D

 

Vielleicht sollte man ein netteres Bild der Architekten an die zukünftigen

Erstis weitergeben, damit sie dem Ganzen gegenüber eine positivere

Einstellung haben und weniger eingeschüchtert sind :-)


Marie

12. March 2017

Jaja, die Architekten...

Ach das kenn ich auch noch aus unserer Zeit :D Welches Semester bist du denn?

Wir haben das mit "den bösen Architekten" nicht von den höheren Semestern, sondern von Profs eingetrichtert bekommen, hilft wirklich nicht sonderlich, da die große Gruppe eben so schon einschüchternd genug ist :d