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Landschaft+Gespräch 8

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 06. June 2019 - Personen

mit Martina van Lierop

Erzähl uns doch am Anfang etwas über Deinen Werdegang.

Ich bin in einem Dorf in den Niederlanden in der Nähe von Eindhoven mit meinen Eltern und drei Schwestern aufgewachsen. Mit 12 Jahren habe ich mich entschieden, Landschaftsarchitektur zu studieren. Lies hier das ganze Gespräch!

So früh wusstest Du das schon? In dem Alter wusste ich noch gar nichts von Landschaftsarchitektur!

Eine meiner Schwestern kam einmal mit einem Flyer über Landschaftsarchitektur nach Hause. Und dann war das das, was ich machen wollte! Nach meiner Realschule ging ich dann auf die Fachhochschule. Nach einem Jahr Studium sah ich die Landschaft schon mit ganz anderen Augen. Ich kann mich erinnern, als ich mit dem Zug zu meinen Eltern fuhr, da dachte ich "die Landschaft ist hier so aufgebaut und so funktioniert sie". Nach der Fachhochschule bin ich zur Arbeit in ein Büro gegangen, aber irgendwie vermisste ich die theoretischen Grundlagen. So machte ich dann neben der Arbeit noch ein Masterstudium an der Universität Wageningen. In dieser Zeit machte ich auch viele internationale Workshops. Dann lernte ich meinen Freund aus Weißrussland kennen. Nach zwei Jahren beschlossen wir, dass er in die Niederlande kommen sollte. In dieser Zeit, das war 2011, bewarb mich dann auf einen Job an der Uni Wageningen als Assistentin, den ich auch bekam. Als dieser Arbeitsvertrag auslief, gab es fast keine Jobs in den Niederlanden und ich entschied mich, zu meinem Freund nach Münster, Deutschland, zu kommen, da er nun dort eine Doktorarbeit machte.

 

Wie hat es Dich dann nach Freising verschlagen?

Bevor ich die Stelle an der TUM bekam, machte ich zuerst internationale Projekte, wie in Russland und Palästina. Doch weil die Lehre mir sehr gut gefällt, möchte ich eine Doktorarbeit schreiben, damit ich diese langfristig machen kann. Hast Du dann zu dieser Zeit schon Deutsch gekonnt? Ich habe bereits in der Schule vier Jahre lang Deutsch gelernt. Ich fand das ziemlich einfach, weil bestimmte Dialekte in unserer Region dem Deutschen ähnlich sind. In meiner Zeit in Münster habe ich dann wieder Deutschkurse gemacht. Auch meine deutschen Freunde haben mich mit der Sprache immer unterstützt. Auch in Freising habe ich noch Deutschkurse für zweieinhalb Jahre belegt.

 

Siehst Du Deine Zukunft hier in Freising?

Naja, in Deutschland auf jeden Fall. Wirklich gebunden bin ich aber nicht. Es kann auch sein, dass mein Freund, der Biologe ist, wieder nach Weißrussland geht, um dort einen Job zu bekommen. Obwohl es dort zwar schön ist, siehe ich da aber keine Chance für mich selbst. Was die Zukunft bringt, das sieht man dann.

 

Du kommst ja immer mit Deinem Holland-Fahrrad zur Arbeit.

Ja, das fährt sich einfach besser als die deutschen Fahrräder. Ich fahre gern in der Freizeit mit dem Fahrrad. Bei uns in den Niederlanden ist es normal am Tag zur Erholung ca. 30 km mit dem Fahrrad zu fahren.

 

Da ist Deutschland für Dich ja ungewöhnlich autofreundlich!

Tja, das sieht man irgendwie auch am Aufbau der Straßen und in der Landschaft. Ich weiß, dass sich bestimmte Städte in Deutschland "Fahrradstadt" nennen, doch wenn man das mit bestimmten Städten in den Niederlanden oder mit Kopenhagen vergleicht, dann ist das eigentlich etwas lächerlich.

 

Stimmt, da habe ich mal etwas von "Fahrrad-Autobahnen" gehört!

Das gibt es bei uns auch. Auf den Fahrrad-Autobahnen kann man zwischen zwei Städten von Zentrum zu Zentrum ohne Ampel und Kreuzungen radeln.

 

Da gibt es ja in Freising noch ziemlichen Ausbaubedarf.

Ohja! Ich wohne in Hohenbachern. Da muss ich immer die Straße hinter dem Forstgebäude hochfahren auf der 60 km/h ist. Da wird natürlich 70 oder 80 km/h gefahren. Da fühlt man sich irgendwie unwohl. Vor ein paar Monaten war in Hohenbachern die Diskussion, das ganze Dorf als 30er-Zone auszuweisen. Von dieser Idee war leider nicht jeder begeistert.

 

Nun spielen wir ein kleines Spiel. Ich stelle dir eine Reihe kleiner Fragen und du beantwortest sie schnell oder beendest den Satz...

Hund oder Katze? Katze! Hast Du eine Katze? Zwei!

Lang- oder Kurzschläfer? Kurzschläfer.

Kaffee oder Tee? Kaffee.

Ich würde nie..? Ich würde nie "nie" sagen!

 

Bist du eher spontan oder planst du alles?

Ich bin eigentlich, wie wir Niederländer so sind, eine echte Planerin. Wir planen alles. Seitdem ich aber öfter in Weißrussland war, habe ich gelernt, man kann nicht alles planen. Also muss man manchmal auch Sachen mal so nehmen wie sie kommen.

 

Was ist der größte Unterschied hier in Bayern/Deutschland zu den Niederlanden?

Ich mag in Bayern besonders, dass es noch ein Gemeinschaftsgefühl gibt. Man darf auch mal sagen, wenn etwas schiefläuft. Dass man miteinander redet. Das vermisse manchmal ich in den Niederlanden. Hier in Bayern nimmt man sich mehr Zeit füreinander und für ein Gespräch.

 

Was denkst Du was man bei uns im Institut verbessern?

Für mich ist die Trennung zwischen Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung hier in Deutschland etwas ungewöhnlich. Gerne sehe ich die zwei sich mehr in eine Richtung bewegend. In der Planung kann mehr Kreativität und Visualisierungen integrieren werden. Auch in der Wissenschaft wird die Rolle von Entwurf mehr und mehr anerkannt. Auf der anderen Seite sollte man im Entwurf eine längerfristige und strategischer Planung viel stärker integrieren.

 

Wie siehst Du die Landschaftsarchitektur der Zukunft?

Ich denke die klassische Rolle des "Landschaftsarchitekten" wird sich wandeln. Man muss anpassungsfähiger sein. Die Prozesse werden immer komplexer, man muss immer mehr und mehr Leute ins Boot holen und zusammenarbeiten. Den "Starchitect", wie es ihn früher gab, den gibt es nicht mehr.

 

Hier in der Boom-Region München ist der Flächendruck ja sehr hoch. Wird man sich da in Zukunft auch stark mit Landnutzungsmanagement beschäftigen müssen in unserem Berufsfeld?

Das kann sein. Das Problem, das ich auch in unserem Projekt "LOS_DAMA!" sehe ist, dass wir multifunktionale Landschaften möchten, aber unsere heutigen formelle Instrumente hierfür kaum geeignet sind. Sie sind oft zu defensiv, wie unsere Projektpartner beim Erstellen von Bebauungsplänen erfahren. Da braucht es kommunikative Fähigkeiten, um die Menschen für das Bewusstsein für die Landschaft zu sensibilisieren.

 

Jetzt sind wir ja in einem gesellschaftlichen Prozess, in dem Umweltaspekte immer wichtiger werden. Man nehme zum Beispiel "fridays for future" oder das gestrige Wahlergebnis der Europawahlen. Sollten wir auf diesen Zug aufspringen?

Das wäre schön. Dieser Entwicklungen zeigen, dass das Statement gesetzt ist, dass wir nun etwas ändern möchten. Da braucht es auch den politischen Willen etwas zu ändern, an dem es leider oft scheitert.

 

Was ist Deine "Traumlandschaft"?

Ich mag eigentlich drei Typologien von Landschaft sehr gerne. Moorlandschaften und so wie in Skandinavien, mit Seen und Wäldern! Wichtig ist, dass die Landschaft abwechslungsreich und lesbar ist.

 

Gibt es etwas was du nun am Ende noch loswerden möchtest?

Ja an die Studenten...traut Euch mehr zu! Zum Beispiel mit Englisch. Ich weiß Ihr redet alle gut Englisch, aber hab Angst, Fehler zu machen. Habt keine Angst Fehler zu machen.

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