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Zwischen Basstölpeln und Brandseeschwalben

Avatar of Redakteur: Marco Giardino Redakteur: Marco Giardino - 20. May 2019 - International

von Marie Heuberger

Vor circa einem halben Jahr habe ich meinen Bachelor beendet, habe ein halbes Jahr in einem Landschaftsplanungsbüro in Freising gearbeitet und bin jetzt als Freiwillige für zwei Monate auf einer Vogelbeobachtungsstation in Dänemark. Vor knapp zwei Wochen bin ich hier angekommen, ein bisschen unsicher was auf mich wartet und seitdem habe ich so viel erlebt! Da viele von euch ja auch in's Ausland gehen dürfen und müssen, wollte ich euch hier einen kleinen Einblick in die Arbeit einer Vogelbeobachtungsstation geben. Klicke hier, um den ganzen Artikel zu lesen!

Foto: Marie Heuberger
Foto: Marie Heuberger

Wir stehen meist eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang auf. Morgens, wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich das Meer und erste Sonnenstrahlen tauchen die Landschaft in ein sanftes rot. Das vierköpfige Freiwilligenteam teilt sich heute zwischen "Beobachtern" und "Beringern" auf. Ich gehe mit Beringen. Schon in der ersten halben Stunde fangen wir um die zwanzig Vögel und haben einiges zu tun: Möglichst schnell alle aus den Japan-Netzen befreien, dann vermessen und beringen und außerdem nehmen wir von Zugvögeln, die in Afrika überwintern Blutproben, da sie auf das West-Nil-Virus getestet werden sollen.

Ich beringe heute zum ersten Mal einen Zaunkönig. Er sieht aus wie eine kleine braune Flauschekugel, nicht größer als ein Golfball. Sanft breite ich seine Flügel aus um eventuelle Mauserkanten auszumachen und so sein Alter zu bestimmen. In den großen Armdecken (die kleinen Federn über den Armschwingen) ist keine Mauserkante erkennbar, was heißt, dass alle Federn der gleichen Generation angehören und das wiederum heißt, dass der Zaunkönig mindestens drei Jahre alt ist. Wenn er jünger wäre, würde man eine Mauserkante erkennen, da die juvenilen Vögel eine Teilmauser im Sommer machen. Wenn er also Mauserkanten in den großen Armdecken hätte, wäre er jetzt in seinem zweiten Lebensjahr, da er im vorherigen Jahr geboren wurde. Die adulten Vögel hingegen machen, anders als die juvenilen, eine Vollmauser. Das heißt, dass alle Federn der gleichen Generation angehören und keine Mauserkanten erkennbar sind, was bei diesem hier der Fall ist. Ich betrachte ihn noch kurz und lasse ihn dann fliegen. Blutproben nehmen wir keine, denn er überwintert nicht in Afrika.

Foto: Marie Heuberger
Foto: Marie Heuberger
Foto: Marie Heuberger

Gegen 11 Uhr schließen wir die Netze und gehen zurück zum "Grey Lighthouse", wie unsere Unterkunft heißt, die direkt neben einem Leuchtturm und nur 20 m vom Meer entfernt ist. Die anderen sind inzwischen auch schon wieder zurück, wie jeden Tag haben sie hunderte von Basstölpeln, Eissturmvögeln und Brandseeschwalben gesehen. Besondere Sichtungen waren heute Eistaucher, Regenbrachvögel und Wespenbussarde. Letzte Woche haben wir sogar sieben Orcas gesehen, was in Dänemark ein so seltenes Ereignis ist, dass sogar das Fernsehen kam! 

Nach einem kurzen Mittagessen machen die meisten von uns erst Mal einen Powernap, schließlich sind wir um 4 Uhr morgens aufgestanden. Der Nachmittag ist frei und wir nutzen die Zeit für einen Sprung in's Meer - bei 7 Grad eine ziemlich erfrischende Angelegenheit. Um fünf Uhr haben wir dann das täglich Meeting. Wir besprechen den heutigen Tag und planen, was morgen getan werden muss. Danach essen wir gemeinsam mit unseren Gästen, die das Apartment neben an bewohnen. Es gibt Quiche und unsere Gäste bringen zwei Flaschen Wein mit. Abends spielen wir noch ein ziemlich lustiges Spiel, das aber wohl nur was für richtige Vogelnerds ist. Die Gäste aus dem Apparment nebenan halten uns wahrscheinlich für verrückt, aber wir haben ziemlich viel Spass :). Und dann, gegen 10 Uhr fallen alle ziemlich müde in's Bett. Die ersten Tage hier waren intensiv und ich freu mich wirklich auf die nächsten Wochen. Im Juni werden wir nachts beringen und hoffentlich Ziegenmelker fangen, letztes Jahr hatten sie 8 Stück!

Falls ihr noch mehr über unsere Arbeit lesen wollt, wir haben eine ziemlich aktive Facebookseite und sogar einen kleinen Blog, der teilweise auf dänisch, teilweise auf englisch ist, je nachdem wer gerade schreibt.

https://www.facebook.com/Skagenfuglestation/?hc_ref=ARQZ8ZNaI7UIoythUNqbx8CBxD3kTraCSAKaW65hjBKdwHpAGnpQPno1uCdcCkd6ECg

https://www.skagenfuglestation.dk/blog

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